Seit den frühen Nachmittagsstunden herrscht im Wiener Straßenverkehr der Ausnahmezustand.
Eine großangelegte Protestfahrt der Wiener Taxifahrer sorgt am Dienstag für kilometerlange Staus und massive Verzögerungen im gesamten Stadtgebiet. Rund 800 Fahrzeuge nehmen laut Schätzungen an dem Konvoi teil, der weite Teile der Innenstadt und der angrenzenden Bezirke lahmlegt.
Protestzug rollt über die Reichsbrücke
Der Startschuss für die Demonstration fiel um 16 Uhr an der Arbeiterstrandbadstraße. Von dort aus setzte sich eine schier endlose Kolonne aus Fahrzeugen in Bewegung. Die Route führte die Teilnehmer über die Wagramer Straße und die Reichsbrücke direkt in Richtung Zentrum. Besonders am Praterstern kam es bereits kurz nach Beginn zu ersten Stillständen, da der Konvoi durch die Lassallestraße drängte und den regulären Feierabendverkehr fast vollständig zum Erliegen brachte.
Die Route der Verkehrsbehinderungen
Nach der Passage des Pratersterns steuerten die Lenker ihre Fahrzeuge über die Praterstraße und die Aspernbrücke direkt auf den Ring zu. Geplant ist eine vollständige Umrundung der Prachtstraße, bevor der Tross sein Ziel in der Uraniastraße erreicht. Der ÖAMTC berichtet von erheblichen Zeitverlusten, die weit über das übliche Maß der Rushhour hinausgehen. Betroffen sind nicht nur private Pkw, sondern auch zahlreiche Buslinien und Lieferdienste, die im dichten Geflecht aus Taxis feststecken.
Brennpunkte im Wiener Stadtgebiet
Die Liste der betroffenen Straßenzüge liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines Wiener Stadtplans. Neben der Wagramer Straße und dem Franz-Josefs-Kai sind vor allem die Roßauer Lände, der Schwarzenbergplatz sowie der Karlsplatz und die gesamte Zweierlinie betroffen. Auch auf der Unteren Donaustraße staut es sich derzeit massiv zurück, da der Abfluss der Fahrzeuge durch die Straßensperren der Polizei nur tröpfchenweise erfolgt.
Existenzkampf hinter dem Lenkrad
Es ist nicht das erste Mal, dass die Wiener Taxibranche zu solch drastischen Mitteln greift. Bereits im vergangenen Dezember zeigten hunderte Fahrer Präsenz auf der Straße. Der Kern des Konflikts liegt in der anhaltenden Konkurrenz durch Plattformen wie Uber und Bolt. Die Taxler kritisieren, dass das gesetzlich vorgeschriebene Preisband ihre Flexibilität einschränkt, während die Kosten für Treibstoff und Versicherung stetig steigen. Für viele der heute Demonstrierenden geht es laut eigenen Angaben schlichtweg um die wirtschaftliche Existenz.
Wien erlebt am Dienstag eine der größten Verkehrsbehinderungen der letzten Monate. Die gezielte Blockade wichtiger Verkehrsknotenpunkte durch die Taxibranche trifft Pendler und Anrainer hart. Während die Fahrer auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen, bleibt für die Wiener Autofahrer nur Geduld oder das großräumige Ausweichen auf die U-Bahn-Linien, die vom oberirdischen Chaos weitgehend unberührt bleiben.
Quelle „heute.at“
Wien bewegt sich, wenn auch heute nur im Schritttempo.