Rudolf Silvan©Parlamentsdirektion​/Thomas Topf
Die Kluft zwischen Kassen- und Privatpatienten in Österreich erreicht eine neue Dimension. Während Inhaber einer privaten Zusatzversicherung oft innerhalb weniger Tage einen Termin erhalten, blicken Pflichtversicherte in die Röhre.

Aktuelle Daten des Vergleichsportals krankenversichern.at belegen eine dramatische Schieflage: Kassenpatienten warten im Extremfall bis zu 13-mal länger auf fachärztliche Expertise. Angesichts dieser Zahlen fordert die SPÖ nun radikale Konsequenzen für das heimische Gesundheitssystem.

Zwei-Klassen-Medizin im Fokus

Für den SPÖ-Gesundheitssprecher Rudolf Silvan ist die aktuelle Situation das Ergebnis jahrelanger politischer Versäumnisse. Er sieht die Verantwortung nicht bei den Medizinern oder dem Pflegepersonal, sondern bei der politischen Gestaltung der vergangenen Jahre. Laut Silvan ist das System unter den Regierungen von FPÖ, ÖVP und Grünen zunehmend erodiert. Die Folge sei eine Zwei-Klassen-Medizin, in der die Qualität der Versorgung massiv vom Kontostand der Patienten abhänge.

Rekordbudget für die Gesundheit

Um den Negativtrend umzukehren, setzt die SPÖ auf eine finanzielle Offensive. Silvan stellt klar, dass trotz allgemeinem Spardruck keine Kürzungen im Gesundheitswesen vorgenommen werden. Im Gegenteil: Man wolle mehr Geld als jemals zuvor in die Hand nehmen. Zentrales Instrument ist hierbei der Gesundheitsreformfonds, der jährlich mit 500 Millionen Euro dotiert ist. Diese Mittel sollen primär in den massiven Ausbau von Kassenstellen fließen, um die Grundversorgung zu stärken und die Wartezeiten für die breite Masse spürbar zu verkürzen.

Druck auf Wahlärzte steigt

Doch Geld allein wird das Problem laut SPÖ nicht lösen. Silvan droht mit ordnungspolitischen Maßnahmen, sollten die Wartezeiten trotz der Investitionen nicht sinken. Der Plan sieht eine schrittweise Einbindung von Privatärzten vor. Zunächst soll Medizinern ohne Kassenvertrag ein freiwilliger Einstieg in das öffentliche System schmackhaft gemacht werden – etwa durch Teilverträge oder die freiwillige Übernahme von Kontingenten an Kassenpatienten.

Verpflichtung als letztes Mittel

Sollten diese Anreize nicht fruchten und die Versorgungsengpässe bestehen bleiben, plant die SPÖ den harten Durchgriff. Als letztes Mittel sieht das Konzept eine gesetzliche Verpflichtung vor. Privatärzte müssten dann zwingend einen gewissen Anteil an Kassenpatienten behandeln. Das Ziel der Sozialdemokraten ist eindeutig: Die medizinische Versorgung soll wieder über die E-Card und nicht über die Kreditkarte definiert werden. Jeder Beitragszahler müsse jene öffentliche Leistung erhalten, die ihm zusteht.

Die SPÖ bläst zum Angriff auf die Privilegien im Gesundheitssektor. Mit einer Kombination aus massiven Investitionen in Kassenstellen und der potenziellen Verpflichtung von Privatärzten soll die Wartezeit-Kluft geschlossen werden. Ob sich die Ärztekammer und politische Mitbewerber auf dieses Modell einlassen, bleibt abzuwarten – die Debatte um die Gerechtigkeit im System ist damit jedoch voll entbrannt.

Quelle „heute.at“

Österreichs Gesundheit: Fair für alle statt nur für wenige.

Von admin

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