Die anhaltende Belastung durch hohe Energiekosten fordert von Haushalten und Industriebetrieben in Österreich gleichermaßen ihren Tribut.
Während der Ausbau ökologischer Energiequellen voranschreitet, bleibt ein strukturelles Problem bestehen: Der Strompreis ist durch das aktuelle Marktdesign noch immer untrennbar an die teure Gasverstromung gekoppelt. Ein neuer Vorstoß des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) verspricht nun eine tiefgreifende Lösung.
Marktdesign auf dem Prüfstand
WIFO-Ökonom Bernhard Kasberger sieht in der aktuellen Preisgestaltung eine Gefahr für die gesamte Energiewende. Sein Argument ist logisch wie dringlich: Der Umstieg auf grüne Technologien wird für die breite Masse nur dann zum Selbstläufer, wenn elektrischer Strom preislich deutlich attraktiver ist als fossile Brennstoffe wie Gas oder Öl. Bisher verhindert die sogenannte Merit-Order-Logik, dass die niedrigen Erzeugungskosten von Wind- und Sonnenkraft voll bei den Endverbrauchern ankommen.
Das neue 100 Euro Modell
Der Kern des WIFO-Vorschlags sieht einen Schwellenwert von rund 100 Euro pro Megawattstunde vor. Sobald der Marktpreis diese Grenze überschreitet, greift ein neuer Mechanismus für Produzenten erneuerbarer Energien. Anstatt den durch teure Gaskraftwerke hochgetriebenen vollen Marktpreis einzustreichen, würde bei den Ökostrom-Erzeugern der CO2-Aufschlag herausgerechnet werden. Als Berechnungsgrundlage dienen hierbei die aktuellen Notierungen für CO2-Zertifikate.
Fossile Energien als Sicherheitsnetz
Das Modell ist so konzipiert, dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet wird. Fossile Kraftwerke, die zur Deckung von Lastspitzen nach wie vor unverzichtbar sind, erhalten weiterhin den vollen Marktpreis, um ihre Betriebskosten zu decken. Gleichzeitig bleibt der Betrieb grüner Anlagen hochgradig profitabel, da die Kosten für Wind und Sonne weit unter dem vorgeschlagenen Schwellenwert liegen. Die Differenzsumme, die durch den Wegfall des CO2-Aufschlags entsteht, soll ohne Umwege an die Stromkunden zurückfließen.
Enormes Entlastungspotenzial für Kunden
Die Berechnungen des Instituts zeigen eine beeindruckende Rückwirkung. Hätte man dieses System bereits im vergangenen Jahr angewandt, wäre der reine Strompreis für die Österreicher um etwa 8,5 Prozent niedriger ausgefallen. Neben der direkten Ersparnis für die Bürger bietet das Modell einen weiteren Vorteil: Es begrenzt die vieldiskutierten Übergewinne der Energiekonzerne auf natürliche Weise und macht politische Notmaßnahmen wie starre Preisdeckel überflüssig.
Der WIFO-Vorschlag bietet eine marktwirtschaftlich fundierte Antwort auf die Energiekrise. Durch die Entkoppelung vom CO2-Preis bei Erneuerbaren wird Strom billiger, ohne den Druck auf CO2-intensive Erzeuger zu mindern. Es ist ein Balanceakt zwischen Entlastung und Klimaschutz, der die Energiewende in Österreich massiv beschleunigen könnte.
Quelle „heute.at“
Österreich unter Strom – Günstig in die grüne Zukunft.