Begrüßung Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) /Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner

Senioren-Gipfel im Nationalrat: Alarmzeichen und Forderungen

Wien. Die 13. Vollversammlung des Seniorenrates im Herzen der österreichischen Demokratie, dem Parlament, war ein bedeutendes Treffen.

Über 100 Delegierte, Teilnehmer:innen und Ehrengäste folgten der Einladung der Präsidentinnen Birgit Gerstorfer und Ingrid Korosec. Im Fokus standen die existentiellen Herausforderungen der älteren Generation: von der Sicherung der Gesundheitsversorgung und Pflege über die finanzielle Absicherung bis zum Kampf gegen Altersarmut, Diskriminierung und Einsamkeit. Auch die Teilhabe am digitalen Fortschritt wurde als Schlüsselthema behandelt.

Nationalratssaal/©Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner

Dankbarkeit als Verpflichtung: Die Republik bekennt sich

Nationalratspräsident Walter Rosenkranz betonte als Gastgeber, es sei „gut gelebte Tradition“, den Plenarsaal allen gesellschaftlich relevanten Gruppen, von der Jugend bis zu den Senior:innen, zur Verfügung zu stellen. Er mahnte, Dankbarkeit dürfe keine Floskel sein, sondern müsse eine Verpflichtung zur politischen Inklusion sein, die Stimme der älteren Generation zu hören und sie aktiv in die Gestaltung der Zukunft miteinzubeziehen.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen dankte dem Seniorenrat in einer Videobotschaft, die Anliegen von über 2,5 Millionen Seniorinnen und Senioren sichtbar zu machen, deren Rechte zu wahren und ihre Position zu stärken. Die ältere Generation gestalte aktiv das Heute und präge die Zukunft. Sozialministerin Korinna Schumann sicherte zu, sich dafür einzusetzen, dass Menschen aktiv, selbstbestimmt und sozial abgesichert in Würde altern können.

Begrüßung Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ). Blick Richtung Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmer/©Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner

Rosenkranz warnt: Die Lasten nicht überproportional verteilen

Walter Rosenkranz erinnerte daran, dass sich die Gründung des Seniorenrats im kommenden Jahr zum 50. Mal jährt. Das vor 25 Jahren beschlossene Bundes-Seniorengesetz habe die Gleichstellung mit den anderen Sozialpartnern bewirkt. Die Seniorinnen und Senioren seien eine „tragende Säule der Republik“ und unverzichtbar für das Gleichgewicht „unseres demokratischen Hauses“. Angesichts einer Zeit, in der vieles schnell und digital sei, erinnere das Wirken des Seniorenrats daran, dass Fortschritt ohne Werte in die Richtungslosigkeit führe.

Doch Rosenkranz wurde auch mahnend: Pensionistinnen und Pensionisten spüren die Folgen der aktuellen wirtschaftlichen Situation sehr stark. Er richtete einen „Appell an die Bundesregierung“, darauf zu achten, dass jene, die das Land aufgebaut haben, nicht die Lasten der Gegenwart überproportional tragen müssen. Denn was Menschen im Alter bräuchten, sei vor allem Würde und Sicherheit in allen Lebensbereichen.

Gerstorfer/Korosec: Mehr als eine Randgruppe – Unbezahlte Arbeit im Wert von 8,6 Mrd. €

Die Präsidentin Birgit Gerstorfer stellte klar: 2,5 Millionen Menschen sind „keine Randgruppe“, sondern ein zentraler und aktiver Teil der Gesellschaft. Die Konfrontation mit Altersdiskriminierung, finanzieller Unsicherheit, Problemen in Gesundheit und Pflege oder sozialer Isolation sei nicht hinnehmbar. Der einstimmig beschlossene Leitantrag fordert eine verfassungsrechtliche Verankerung des Verbots der Altersdiskriminierung sowie des Grundrechts auf Alterssicherung. Statt über die Anhebung des Pensionsantrittsalters zu debattieren, müssten Wege gefunden werden, um das faktische Alter zu erhöhen.

Ingrid Korosec schloss sich an und forderte einen fairen Dialog auf Augenhöhe und ein Ende des „Pensionisten-Bashing“. Sie unterstrich die unverzichtbare Stütze der Seniorinnen und Senioren auf familiärer, sozialer und wirtschaftlicher Ebene: Die ältere Generation leiste unbezahlte Arbeit im Ausmaß von 8,6 Mrd. € im Jahr und trage als Konsumenten mit 50 Mrd. € zu einem Viertel des Gesamtkonsums bei. Sie lehnte Vorschläge, den 13. und 14. Pensionsbezug zur Finanzierung der Pflegeausgaben zu kürzen, entschieden ab. Bei der Digitalisierung gelte: Niemand darf zurückgelassen werden.

Schumann: Sozial abgesichert in Würde altern

Sozialministerin Korinna Schumann hob hervor, dass derzeit über 1,9 Millionen Menschen über 65 Jahre in Österreich leben, die einen wesentlichen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Der Seniorenrat sei ein zentrales Sprachrohr. Es gelte, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Menschen aktiv und selbstbestimmt in Würde altern. Dies schließe nicht nur die ausreichende Ausstattung des Pflegefonds ein, sondern auch die digitale Teilhabe, wobei analoge Zugänge unbedingt erhalten bleiben müssten. Im Gesundheitswesen sei eine Versorgung notwendig, die sich alle leisten können. Deshalb werde das kostenlose Impfprogramm ausgeweitet, ab 1. November 2025 auch für besonders gefährdete Personen gegen Pneumokokken und Gürtelrose. Trotz hoher Sparzwänge sei sie froh, dass für 71% der Pensionisten eine volle Inflationsabgeltung erreicht werden konnte. Die Generationen dürften nicht auseinanderdividiert werden.

Parteien bekennen Farbe: Reformen und Umlageverfahren

  • Werner Kogler (Grüne) hielt die Forderung des Seniorenrats nach vollen Mitwirkungsrechten als Sozialpartner für legitim. Der Wert einer Gesellschaft messe sich daran, wie mit den Kindern und den älteren Menschen in schwierigen Zeiten umgegangen werde. Er bekannte sich zum Umlageverfahren.
  • Ernst Gödl (ÖVP) sah die Talsohle der Rezession als überstanden an. Er betonte die höhere Dotierung des Pflegefonds mit über einer Milliarde Euro. Österreich verfüge trotz aller Kritik über eines der besten Systeme der Welt.
  • Johannes Gasser (NEOS) betonte, Senior:innen seien eine wichtige Ressource. Er forderte angesichts des demographischen Wandels langfristige und nachhaltige Reformprojekte in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Pensionen.
  • Andrea Michaela Schartel (FPÖ) kritisierte die Einschnitte, unter denen die ältere Generation leide, darunter mangelnde Pensionsanpassung, Erhöhung des Selbstbehalts bei Krankentransporten und der E-Card-Gebühr. Sie sah die neue Teilpension nicht als vollwertigen Ersatz für die Altersteilzeit.

Die 13. Vollversammlung des Seniorenrates hat die Dringlichkeit umfassender Reformen untermauert. Der Appell aller Beteiligten war klar: Die ältere Generation muss als gleichwertige Säule der Gesellschaft behandelt werden. Es geht um mehr als nur finanzielle Fragen; es geht um Wertschätzung, Sicherheit und Würde.

Quelle „Parlamentsdirektion“

Unser Alter. Unsere Verantwortung.

Von admin

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