Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) empfing den neuen US-Botschafter Arthur Graham Fisher zu einem hochbrisanten Antrittsbesuch.
Im Zentrum des Austauschs stand die aktuelle Zolldebatte, die die wirtschaftliche Stabilität zwischen Europa und den Vereinigten Staaten massiv unter Druck setzt.
Klartext gegen Handelsbarrieren
Hattmannsdorfer fand bei dem Treffen deutliche Worte zur aktuellen Lage. Ein Zollkrieg bringe laut dem Minister niemandem etwas und schade den historisch gewachsenen Beziehungen. Da die USA nach Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt für heimische Unternehmen sind, forderte der Minister mehr Kooperation statt Abschottung. Offene Märkte und faire Wettbewerbsbedingungen seien die essenziellen Grundpfeiler für Wachstum und Beschäftigung auf beiden Seiten des Atlantiks.
Stahl und Aluminium im Visier
Ein zentraler Punkt der Unterredung war die Diskussion um die US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte. Hattmannsdorfer verwies darauf, dass Handelsbarrieren kein Instrument für wirtschaftlichen Aufschwung seien. Solche Maßnahmen würden lediglich Investitionen verteuern, Lieferketten schwächen und am Ende die Konsumenten durch höhere Preise belasten. Er pochte gegenüber Botschafter Fisher auf Verlässlichkeit und einen regelbasierten internationalen Handel.
Massiver Exportrückgang verzeichnet
Die aktuelle Statistik untermauert die Sorge des Ministers. Von Jänner bis November 2025 sanken die österreichischen Warenexporte in die USA auf 11,85 Milliarden Euro. Das entspricht einem drastischen Rückgang von 21,4 Prozent, der maßgeblich auf die neuen Zollmaßnahmen zurückzuführen ist. Trotz dieses Einbruchs bleiben die USA mit einem Anteil von 6,8 Prozent ein strategischer Schlüsselmarkt.
Investitionen sichern Arbeitsplätze
Die wirtschaftliche Verflechtung ist tiefgreifend: Österreichische Direktinvestitionen in der Höhe von 23,9 Milliarden Euro sichern in den USA über 70.000 Arbeitsplätze. Im Gegenzug beschäftigen US-Unternehmen in Österreich rund 18.870 Mitarbeiter. Angesichts dieser Zahlen betonte der Minister die Bedeutung der Industriestrategie 2035, die auf Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz setzt, sowie die notwendige Abstimmung bei Zukunftstechnologien und Energiefragen.
Waffenexporte und Kooperation
Ein weiterer Aspekt des Treffens betraf die erleichterten Bedingungen für Waffenexporte, die Österreich nun realisieren kann. Hattmannsdorfer unterstrich, dass Österreich für Qualität und langfristige Partnerschaften stehe. Ziel sei es, durch gegenseitiges Vertrauen und den Abbau von Barrieren eine Basis für einen nachhaltigen Aufschwung zu schaffen, von dem beide Nationen profitieren.
Das Treffen zwischen Hattmannsdorfer und Fisher verdeutlicht die angespannte Lage im Welthandel. Während die Exportzahlen sinken, kämpft Österreich um den Erhalt stabiler Rahmenbedingungen. Ob die US-Administration unter dem neuen Botschafter auf die Forderungen nach Deeskalation eingeht, bleibt die entscheidende Frage für den Wirtschaftsstandort.
Quelle „heute.at“
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