Die Hitzewelle setzt der österreichischen Landwirtschaft massiv zu. Der Gesamtschaden durch die anhaltende Trockenheit hat inzwischen die Marke von einer Milliarde Euro erreicht.
Ob es für die betroffenen Betriebe staatliche Finanzhilfen geben wird, steht jedoch auf wackligen Beinen. Das Finanzministerium verweist eindringlich auf die angespannte Haushaltslage des Bundes.
Budgetbremse bremst Hilfspaket
Aus dem Büro von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) heißt es, dass es aus guten Gründen keine Politik nach dem Prinzip der unbegrenzten Zugeständnisse geben werde. Zusätzliche Zahlungen müssten zwingend im Rahmen der bestehenden finanziellen Möglichkeiten bleiben. Als tragfähiger Weg wird eine Umschichtung von Mitteln innerhalb des Landwirtschaftsressorts sowie die Ausarbeitung langfristiger Klimaschutzstrategien genannt. Der Ruf nach akuten Hilfen ging von der ÖVP aus. Aus dem Finanzressort wartet man nun auf konkrete Anträge aus dem Landwirtschaftsministerium unter der Führung von Norbert Totschnig (ÖVP).
Zusagen und versicherbare Schäden
Erst in der vergangenen Woche hatte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) den Agrarbetrieben Maßnahmen zur Liquiditätssicherung und eine Kompensation der Verluste in Aussicht gestellt. Geplant ist ein abgestimmtes Konzept mit den Bundesländern. Das Regelwerk des Katastrophenfonds sieht jedoch vor, dass Agrarschäden nicht abgedeckt werden, sofern sie grundsätzlich versicherbar gewesen wären.
Forderungen nach Prävention
Die Neos drängen ebenfalls auf Handlungsbedarf, stellen jedoch strukturelle Maßnahmen in den Vordergrund. Umweltsprecher Michael Bernhard fordert eine Reduktion des Flächenverbrauchs, da versiegelte Böden die Erwärmung verstärken. Forstwirtschaftssprecherin Karin Doppelbauer spricht sich für den Grundsatz aus, Prävention vor Kompensation zu stellen. Betriebe bräuchten fundierte Daten zur regionalen Wasserverfügbarkeit, um sich anzupassen. Zudem dürften versicherte Betriebe gegenüber unversicherten nicht benachteiligt werden.
Historisches Ausmaß der Ausfälle
Die Österreichische Hagelversicherung stuft die Lage als historische Dürrekatastrophe ein. Sämtliche Bundesländer und Anbauformen verzeichnen erhebliche Einbußen. Besonders stark betroffen sind Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, gebietsweise auch Getreide. Sollte die Trockenzeit bis Ende August andauern, droht eine weitere Erhöhung des Ausmaßes. Zum Vergleich: In den Jahren 2017 bis 2025 lagen die jährlichen Dürreschäden zwischen 30 und 230 Millionen Euro.
Gespräche am Runden Tisch
Minister Norbert Totschnig zieht die Daten der Hagelversicherung als Entscheidungsgrundlage für Bund und Länder heran. Am Montagnachmittag lud das Ministerium zu einem Runden Tisch zur Trockenheit in der Landwirtschaft.
Die Ernteausfälle erreichen in Österreich ein Rekordniveau und belasten die Betriebe schwer. Während das Landwirtschaftsministerium und die ÖVP auf Entschädigungen dringen, pochen das Finanzministerium und die Neos auf Haushaltsdisziplin, Eigenvorsorge und strukturellen Bodenschutz. Wie die Hilfen schlussendlich ausgestaltet werden, bleibt vorerst Gegenstand der Verhandlungen.
Quelle „heute.at“
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