Wer sein Elektrofahrzeug an einer öffentlichen Ladesäule auflädt, erlebt an der Kasse oft eine böse Überraschung.
Während Autofahrer an klassischen Tankstellen die Preise für Benzin und Diesel bereits vor der Einfahrt klar ablesen können, gleicht das öffentliche Laden von Elektroautos derzeit einem undurchsichtigen Preisdschungel. An derselben Ladesäule kann die gleiche Kilowattstunde Strom je nach Bezahlkarte oder Zahlungsmethode völlig unterschiedliche Kosten verursachen.
Riesige Preisspannen an den Säulen
Eine aktuelle Untersuchung im Auftrag des Mobilitätsclubs ÖAMTC verdeutlicht die Ausmaße dieser Unübersichtlichkeit. Im extremsten Fall wird für dieselbe Leistung fast das Zweieinhalbfache des günstigsten Tarifs berechnet. Laut dem ÖAMTC-Ladekompass klafft zwischen den Angeboten eine Lücke von bis zu 70 Cent pro Kilowattstunde. Gegenüber dem günstigsten Tarif entspricht dies einer Steigerung von bis zu 142 Prozent.
Drei Wege zur Stromabrechnung
Für die Erhebung wurden die Angebote von 18 der größten Betreiber öffentlich zugänglicher Ladestationen in Österreich analysiert. Untersucht wurden die Kosten pro Kilowattstunde ohne monatliche Grundgebühren über drei verschiedene Zahlungswege: die eigene Ladekarte des Betreibers, die direkte Bezahlung mittels Kreditkarte sowie das Standardangebot für konkurrierende Ladeanbieter. Die Daten berücksichtigen normale, schnelle und besonders schnelle Ladepunkte.
Teure Roaming-Fallen im Inland
Ein zentraler Grund für die gravierenden Preisunterschiede sind sogenannte Roaming-Tarife. Wenn E-Auto-Fahrer eine Ladekarte nutzen, die nicht direkt vom Betreiber der jeweiligen Station stammt, fallen häufig erhebliche Aufschläge an. Dies betrifft keineswegs nur Fahrten im Ausland, sondern tritt regelmäßig im österreichischen Binnenmarkt auf. Konkurrierende Ladenetze zahlen in 90 Prozent der untersuchten Fälle höhere Preise als die Direktkunden des Betreibers. Der Höchstaufschlag liegt hier bei 118 Prozent.
Kreditkarte überraschend oft günstiger
Auch der Griff zur Kredit- oder Debitkarte kann Geld sparen. In zwei Dritteln der geprüften Fälle erwies sich die direkte Kartenzahlung als günstiger im Vergleich zu den Standardangeboten für fremde Ladekartenanbieter. Für Verbraucher entsteht dadurch ein enormer Vergleichsaufwand, da eine universell einsetzbare Ladekarte keineswegs an jeder Station das wirtschaftlichste Angebot garantiert.
Kritik an fehlender Preistransparenz
ÖAMTC-Direktor Ernst Kloboucnik weist darauf hin, dass selbst erfahrene Nutzer vor dem Ladevorgang kaum einschätzen können, welche Summe schlussendlich abgerechnet wird. Obwohl seit April 2024 die EU-Verordnung AFIR (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) transparente und diskriminierungsfreie Preise an öffentlichen Ladepunkten vorschreibt, weicht die Praxis deutlich von diesen Vorgaben ab. Da unterschiedliche Tarife bei sachlicher Begründung erlaubt bleiben, liegen rechtlich zwar noch keine bewiesenen Verstöße vor, die Ergebnisse geben jedoch Anlass für wettbewerbsrechtliche Prüfungen.
Forderungen an Politik und EU
Der ÖAMTC fordert die EU-Kommission auf, die Preispraktiken europaweit zu überprüfen. Sollten die Ungleichheiten bestehen bleiben, hält der Club Eingriffe nach dem Vorbild der Mobilfunk-Roaming-Regulierung für notwendig, um Obergrenzen für Aufschläge festzulegen. Auf nationaler Ebene verlangt der Verein zudem unabhängige Kontrollstellen, die die Einhaltung der Vorschriften überwachen. Die wissenschaftliche Basis der Präsentation, die am Rande des Europäischen Forums Alpbach vorgestellt wurde, stammt von dem Beratungsunternehmen Arthur D. Little Austria.
Solange keine strengeren Kontrollen oder verbindlichen Preisdeckel greifen, bleibt den Fahrern von Elektroautos nur der manuelle Vergleich von Anbietern, Fremdnetzgebühren und Bezahlmethoden. Die technische Kompatibilität der Ladeinfrastruktur ist zwar gegeben, doch die tarifliche Undurchsichtigkeit bremst das Vertrauen der Konsumenten in die Alltagstauglichkeit der E-Mobilität massiv aus.
Quellen „heute.at“
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