Die Luft an der Spitze ist dünn, doch der Aufprall nach einem Jobverlust für erfahrene Führungskräfte oft hart.
AMS-Vorstand Johannes Kopf zeichnet ein ernüchterndes Bild einer speziellen Gruppe von Arbeitssuchenden, die sich am freien Markt oft selbst im Weg stehen.
Die gefährliche Urlaubsstimmung
Johannes Kopf nimmt im Gespräch mit dem Wochenmagazin NEWS kein Blatt vor den Mund und identifiziert eine „besonders schwierige Zielgruppe“, der er ironischerweise selbst angehört: männliche Führungskräfte über 50. Das Problem beginnt laut Kopf oft direkt nach der Kündigung. Während viele die gewonnene Freiheit für monatelange Auszeiten oder Safaris nutzen, tickt die biologische Uhr des Arbeitsmarktes gnadenlos. Kopf warnt davor, die eigene Marktfähigkeit zu überschätzen. Wer zu lange wartet, gilt schnell nicht mehr als „heiße Ware“.
Fokus auf den Rechtsstreit statt auf die Zukunft
Ein weiterer Stolperstein ist die psychologische Verarbeitung des Jobverlusts. Statt die ersten entscheidenden Monate für die Neuorientierung zu nutzen, verstricken sich viele Ex-Manager in langwierige Gerichtsverfahren gegen ehemalige Arbeitgeber. Diese Untätigkeit im Hinblick auf die Jobsuche rächt sich spätestens nach einem Jahr. Laut dem AMS-Chef sinken die Chancen rapide, da Personalverantwortliche bei langen Lücken im Lebenslauf misstrauisch werden.
Harte Realität durch Altersdiskriminierung
Dass die Hürden nicht nur hausgemacht sind, belegt eine Studie des Arbeitsmarktservice. Bei einem Test mit 800 fiktiven Bewerbungen wurden 32-jährige Kandidaten signifikant häufiger kontaktiert als identisch qualifizierte 52-Jährige. Oft stecken dahinter unbewusste Vorurteile über die Flexibilität oder den Gesundheitszustand älterer Arbeitnehmer. Kopf richtet hierbei eine klare Botschaft an die Wirtschaft: Betriebe, die keine älteren Mitarbeiter einstellen, dürften sich laut ihm nicht über einen Personalmangel beschweren.
Bildung als Versicherung gegen Arbeitslosigkeit
Der wichtigste Rat des Experten lautet: Aufqualifizierung. Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht oder technische Neuerungen wie die Bedienung von CNC-Maschinen ignoriert, wird schwer vermittelbar. Kopf betont zudem, dass Kündigungen in einer Rezession ohne neuen Vertrag in der Tasche ein hohes Risiko darstellen. Nur ständige Weiterbildung schützt vor dem Abstellgleis, wenn die gewohnte Hierarchie wegbricht.
Hoffnung durch demografischen Wandel
Langfristig spielt die Demografie den Älteren in die Hände. Da die geburtenstarken Jahrgänge in Pension gehen und die Zahl der Erwerbstätigen bis 2050 massiv schrumpfen wird, müssen Unternehmen umdenken. Die Betriebe werden in Zukunft gar nicht mehr umhinkommen, die Expertise der Generation 50 Plus verstärkt zu nutzen.
Der Wiedereinstieg für Führungskräfte über 50 scheitert oft an einer Mischung aus zu hoher Erwartungshaltung, verspäteter Eigeninitiative und strukturellen Vorurteilen. Erfolg hat am Ende nur, wer schnell reagiert, flexibel bleibt und die eigene Qualifikation laufend an moderne Standards anpasst.
Quelle“heute.at“
Expertise hat kein Ablaufdatum.