Ein schwarzer Dienstagnachmittag erschüttert die Bundeshauptstadt. In der Porzellangasse am Wiener Alsergrund kam es kurz vor 15:00 Uhr zu einer Katastrophe, die vier Bauarbeitern das Leben kostete.
Massive Gerüst- und Schalungsteile brachen zusammen und rissen tonnenweise frischen Beton mit in die Tiefe. Fünf Männer wurden unter den Trümmern begraben, für die meisten von ihnen gab es keine Rettung mehr.
Kampf gegen die Betonmassen
Die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Wien und der Berufsrettung stießen am Unfallort auf ein Bild der Verwüstung. Inmitten von verbogenem Stahl und flüssigem Beton begannen die Retter sofort mit der Suche nach Überlebenden. Ein 45-jähriger Arbeiter konnte nach brenzligen Minuten aus den Massen befreit werden. Er wurde mit schwersten Verletzungen an der Wirbelsäule, den Armen und am Kopf in den Schockraum eines Krankenhauses eingeliefert. Sein Zustand gilt als kritisch.
Bergung unter Lebensgefahr
Die Hoffnung auf weitere Überlebende schwand im Laufe des Abends zusehends. Die Bergung der verbliebenen vier Vermissten gestaltete sich aufgrund der Instabilität der restlichen Konstruktion als extrem schwierig. Als die Einsatzkräfte schließlich zu den Männern vordrangen, konnten die Notärzte nur noch den Tod feststellen. Die Schwere der Quetschungen und Verletzungen ließ keine Überlebenschance.
Kranfahrer wird zum Retter
Inmitten des Chaos bewies ein Mitarbeiter der Baustelle außergewöhnliche Courage. Der Kranfahrer, der sich zum Zeitpunkt des Unglücks in seiner Kabine in luftiger Höhe befand, verließ seinen Posten nicht. Auf Anweisung der Berufsfeuerwehr steuerte er seinen Kran mit höchster Präzision, um schwere Trümmerteile von den Verschütteten wegzuheben. Ohne seinen Einsatz hätte die Bergung deutlich länger gedauert.
Evakuierung durch Höhenretter
Nachdem seine Arbeit getan war, zeigte die psychische Belastung Wirkung. Der Kranfahrer erlitt einen schweren Schock und war nicht mehr in der Lage, den Kran selbstständig über die Leiter zu verlassen. Die Höhenrettung der Berufsfeuerwehr musste ausrücken, um den Mann sicher aus der Kabine abzuseilen. Er blieb physisch unverletzt, wird jedoch psychologisch betreut.
Schaulustige blockieren Einsatzraum
Während die Rettungskette auf Hochtouren lief, bildeten sich rund um die Absperrungen in der Porzellangasse Menschentrauben. Zahlreiche Schaulustige, darunter auch Schüler des nahegelegenen „Lycée Français de Vienne“, beobachteten das Geschehen. Die Polizei musste weiträumige Verkehrssperren errichten, um den reibungslosen Abtransport der Opfer und den Zugang für schwere Räumfahrzeuge zu gewährleisten.
Dieses Unglück markiert einen der schwersten Baustellenunfälle der jüngeren Wiener Stadtgeschichte. Während die Ermittlungen zur Einsturzursache durch das Arbeitsinspektorat und die Kriminalpolizei bereits laufen, bleibt die Trauer um vier verlorene Leben und die Anerkennung für einen mutigen Kranfahrer, der in der Katastrophe über sich hinauswuchs.
Quelle „heute.at“
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