Der neue Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Georg Stockinger (FCG), fordert ein fundamentales Umdenken bei der Leistungsbewertung an Österreichs Gymnasien.
Um Schülerinnen und Schüler fundiert auf Studium und Berufswelt vorzubereiten, müsse der Leistungsgedanke im Schulalltag wieder eine zentrale Rolle einnehmen.
Neue Regeln wegen Künstlicher Intelligenz
Ein wesentlicher Treibstoff für diese Debatte ist der rasante Einzug Künstlicher Intelligenz im Schulalltag. Laut Georg Stockinger erleichtert KI das Vortäuschen eigener Leistungen massiv. Klassische Hausübungen besitzen dadurch kaum noch Aussagekraft für die Gesamtnote, da neben der ungleichen Unterstützung im Elternhaus nun auch digitale Hilfsmittel die Ergebnisse verfälschen.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert der Gewerkschaftschef eine Anpassung der Beurteilungsregeln. Lehrkräfte sollten die Möglichkeit erhalten, Hausaufgaben direkt im Unterricht unkompliziert zu überprüfen. Bislang scheitert dies in Fächern wie Mathematik häufig daran, dass derartige Überprüfungen rechtlich rasch als unzulässiger Test gewertet werden.
Schule ist kein Ort ohne Anstrengung
Stockinger plädiert für eine positive Grundhaltung gegenüber Prüfungen. Leistungsnachweise seien kein Selbstzweck, sondern ein wichtiges Werkzeug, um Eigeninitiative und Einsatzbereitschaft zu fördern. Die Schule sei schließlich kein Freizeitverein, sondern eine öffentlich finanzierte Bildungsinstitution, in der Wissen und Fertigkeiten vermittelt werden. Dies gelinge in der Regel nicht ohne persönliche Mühe.
Gleichzeitig verweist der Lehrervertreter auf einen spürbar steigenden Druck seitens der Elternschaft. Immer häufiger wird versucht, bessere Noten für den Nachwuchs einzufordern, teils sogar unter Einschaltung von Anwälten. Chancengleichheit sei zwar ein hohes Gut, bedeute jedoch keineswegs, dass alle Kinder exakt dieselbe Leistung erbringen können.
Wachsende Belastung im Klassenzimmer
Neben Bewertungsfragen bereitet Stockinger auch die personelle und strukturelle Situation Sorgen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf nimmt stetig zu. In Klassen mit bis zu 30 Kindern stoße das System ohne Zweitlehrer und mit unzureichender psychosozialer Betreuung zusehends an seine Belastungsgrenzen.
Strengere Vorgaben für die Matura
Auch bei den Reifeprüfungen fordert Georg Stockinger eine Rückkehr zu strengeren Maßstäben. Die während der Corona-Pandemie eingeführte Regelung, bei der die Jahresnote automatisch auf die mündliche Matura angerechnet wird, sollte aus seiner Sicht wieder abgeschafft werden. Aktuell ermöglicht diese Sonderregelung das Bestehen der Prüfung selbst dann, wenn die mündliche Leistung mit „Nicht genügend“ bewertet wurde.
Ähnlich zurückhaltend zeigt sich der AHS-Gewerkschafter gegenüber Plänen zur Ausweitung der modularen Oberstufe. Mehr Wahlfreiheiten dürften nicht dazu führen, dass das Niveau der Allgemeinbildung sinkt oder der Gesamtwert der Matura verwässert wird.
Die Vorstöße von Georg Stockinger zeichnen ein deutliches Bild der aktuellen Herausforderungen im österreichischen Schulwesen. Zwischen dem Vormarsch Künstlicher Intelligenz, gestiegenen Elternerwartungen und personellen Engpässen plädiert die AHS-Gewerkschaft für klare Leistungskriterien, verlässliche Rahmenbedingungen und eine Aufwertung der Präsenzprüfung im Unterricht.
Quelle“heute.at“
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