Die strahlende Welt der Diamanten verliert ihren Glanz. Während Juweliere früher mit der Einzigartigkeit natürlicher Edelsteine warben, sorgt heute eine technologische Revolution für einen beispiellosen Preissturz.
Labor-gezüchtete Diamanten erobern die Schmuckkästchen und setzen damit traditionelle Abbaugebiete wie Sierra Leone massiv unter Druck.
Die Krise in der Region Kono
Für die Arbeiter in der westafrikanischen Region Kono ist die Lage dramatisch. Daniel, der als Vorarbeiter in einer der kleinen Minen tätig ist, beschreibt den Alltag als ein Rennen gegen die Hoffnungslosigkeit. Die Suche nach einem wertvollen Fund gleicht für ihn und seine Kollegen einem Glücksspiel. Doch die Erträge bleiben zunehmend aus. Die Schließung der Koidu Holdings, der größten Mine des Landes, hat im vergangenen Jahr rund 1.000 Menschen ihre Existenzgrundlage geraubt. Ein Konflikt um Löhne und die nachlassende weltweite Nachfrage nach Natursteinen ließen die Betriebskosten unrentabel werden.
Ein Preisverfall von 40 Prozent
Die Marktzahlen sind eindeutig: Der Preis für geschliffene natürliche Diamanten ist innerhalb der letzten vier Jahre um etwa 40 Prozent eingebrochen. Verantwortlich dafür ist die wachsende Konkurrenz aus der Retorte. Labor-Diamanten sind chemisch und physikalisch von ihren natürlichen Pendants nicht zu unterscheiden, kosten jedoch bis zu 70 Prozent weniger. Augustine Shekho, Gouverneur von Kono, sieht darin eine unmittelbare Bedrohung für die lokale Wirtschaft, die über Jahrzehnte hinweg vom Diamantenabbau abhängig war.
Ethische Fragen und neue Standards
Die Herstellung der künstlichen Steine findet vornehmlich in Indien und China statt. Zwar ist der Energieaufwand für die Produktion der Kristalle immens, doch bei den Konsumenten punkten sie durch ein vermeintlich besseres Image in Sachen Nachhaltigkeit und Transparenz. Immer mehr Käufer hinterfragen die Herkunft der Steine, die historisch oft mit Bürgerkriegen und Gewalt in Verbindung gebracht wurden. Zwar sollte der Kimberley-Prozess den Handel mit Konfliktdiamanten unterbinden, doch das Vertrauen in die traditionelle Lieferkette ist bei vielen Kunden nachhaltig beschädigt.
Der Siegeszug der Labor-Variante
Der globale Trend ist kaum aufzuhalten. In den USA werden laut einer Erhebung von The Knot bereits 61 Prozent aller Verlobungsringe mit Labor-Diamanten bestückt. Unternehmen wie der britische Branchenriese De Beers reagieren bereits mit Initiativen wie Gemfair, um die Transparenz und die sozialen Bedingungen für Minenarbeiter zu verbessern. Doch der Preisvorteil für Konsumenten, die sich für das gleiche Geld größere Steine sichern können, bleibt das stärkste Argument der neuen Konkurrenz.
Der Diamantenmarkt erlebt eine Zäsur. Während die Technologie den Wunsch nach Luxus für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich macht, kollabieren durch diesen Fortschritt traditionelle Wirtschaftszweige in Entwicklungsländern. Ob der Abbau natürlicher Diamanten langfristig eine wirtschaftliche Überlebenschance hat, bleibt zweifelhaft, solange die künstliche Alternative bei Preis und Image die Oberhand behält.
Quelle „heute.at“
Glanzvoll ohne Bergbau – Die neue Ära der Steine.
