Weißes Gold: Vom Schilling-Deal zum Milliarden-Poker
Die Geschichte des Kärntner Lithiums, auch als „weißes Gold“ bekannt, nimmt immer absurdere Züge an. Im Zentrum steht ein Deal aus dem Jahr 1992, der heute für Kopfschütteln sorgt. Damals erwarb die Kärntner Montanindustrie (KMI) die begehrten Abbaurechte für das Leichtmetall auf der Koralpe um den symbolischen Preis von nur einem Schilling – das entspricht heute gerade einmal 7,26 Euro-Cent.
Ein Spottpreis, wenn man bedenkt, dass die Rechte 19 Jahre später bereits rund zehn Millionen Euro wert waren, als sie an ein australisches Bergbauunternehmen übergingen. Die KMI selbst verweigerte auf Anfrage jeglichen Kommentar zu den Gründen für diesen damaligen Dumpingpreis.
Juristisches Tauziehen um die Umweltprüfung
Für die neuen Eigentümer, die australische Critical Metals Corp. und deren Tochtergesellschaft ECM Lithium AT (European Lithium), war der Weg zum Abbau bisher steinig. Der geplante Großabbau bei Wolfsberg verzögert sich erneut. Jüngst kassierte das Bundesverwaltungsgericht einen Bescheid der Kärntner Landesregierung ein, der ursprünglich besagte, dass für das Milliardenprojekt auf der Koralpe keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig sei.
Land Kärnten muss nun neu entscheiden
Das Urteil bedeutet, dass das Land Kärnten nun erneut prüfen muss, ob das Vorhaben zu „wesentlichen schädlichen oder belastenden Auswirkungen auf die Umwelt“ führen kann. Die Umweltorganisation „Virus“ wertete den gescheiterten Bescheid als „äußerst schlecht gemacht“ und sah ihre Bedenken „erwartungsgemäß“ bestätigt. Auch die Projektbetreiberin ECM Lithium AT bestätigte offiziell die Notwendigkeit einer Neubewertung durch das Land Kärnten.
130.000 Tonnen Lithium und der Export-Ärger
Die Schürfrechte liegen seit 2011 in den Händen der Australier. Der Plan ist ambitioniert: Aus zwölf Millionen Tonnen Gestein auf der Koralpe sollen knapp 130.000 Tonnen reines Lithium gewonnen werden. Das Leichtmetall ist ein weltweit dringend benötigter Rohstoff für Akkus und die E-Mobilität.
Neben den Umweltschutzbedenken sorgt ein weiterer Punkt für Unmut: Die Weiterverarbeitung des Kärntner Lithiums soll nicht vor Ort stattfinden, sondern in Saudi-Arabien. Begründet wird dieser Schritt mit den angeblich zu hohen Energiekosten in Europa – ein Ärgernis mit Blick auf die mögliche Wertschöpfung in Österreich.
Eines der größten Vorkommen Europas
Das Lithiumvorkommen in der Koralpe gilt als eines der bedeutendsten in Europa. Nachgewiesen sind rund 18 Millionen Tonnen Erz mit durchschnittlich 1,6 Prozent Lithiumoxid. Weitere zehn Millionen Tonnen werden vermutet. Lithium-Ionen-Akkus sind der Schlüssel für moderne Elektromobile, Laptops und Mobiltelefone.
Das Rennen bleibt offen
Ob das Milliardenprojekt tatsächlich umgesetzt werden kann, ist nach der Gerichtsentscheidung unklarer denn je. Das Unternehmen ECM Lithium AT prüft derzeit rechtliche Schritte, da eine Revision beim Verwaltungsgerichtshof zugelassen wurde. Der Kampf um das „weiße Gold“ ist in die Verlängerung gegangen.
Quelle „heute.at“
Österreichs Zukunft darf nicht um einen Spottpreis verscherbelt werden.
