Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten werfen ihre Schatten bis nach Europa. Während einer Wirtschaftsmission in Indien äußerten sich Bundeskanzler Christian Stocker und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer zur aktuellen Lage am Energiemarkt.
Ab Mai droht in Europa ein spürbarer Rückgang bei Diesel und Kerosin, doch für Österreich geben die Regierungsspitzen vorerst Entwarnung.
Klare Worte aus Indien
Im Rahmen der Delegationsreise in den indopazifischen Raum rückte die heimische Energieversorgung unerwartet ins Rampenlicht. Bundeskanzler Christian Stocker betonte gemeinsam mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, dass man die internationalen Entwicklungen genauestens beobachte. Hintergrund sind mögliche Engpässe in Europa, die bereits im Mai zu Preissteigerungen an den Zapfsäulen und bei Flugtreibstoffen führen könnten. Hattmannsdorfer stellte jedoch klar, dass kein Grund für Alarmismus bestehe.
Stabilität durch Diversifizierung
Österreich ist laut dem Energieministerium besser aufgestellt als viele Nachbarstaaten. Die Strategie der breiten Fächerung bei den Lieferanten zahlt sich nun aus. Österreich verfügt über solide Öl- und Gasreserven, die im Ernstfall als Puffer dienen. Minister Hattmannsdorfer betonte gegenüber Medienvertretern, dass die Versorgungssicherheit für Haushalte und Industrie die oberste Priorität der Bundesregierung darstellt. Die Lage sei stabil, auch wenn die Abhängigkeit von globalen Lieferketten eine latente Herausforderung bleibe.
Herkunft der Rohölimporte
Ein entscheidender Vorteil für die Alpenrepublik ist die geografische Herkunft des schwarzen Goldes. Der Großteil des österreichischen Rohöls gelangt nicht über die krisenanfällige Straße von Hormus ins Land. Mit 57 Prozent ist Kasachstan der wichtigste Lieferant, gefolgt von Libyen mit 14 Prozent und Saudi-Arabien mit 12 Prozent. Diese Route über das kaspische Meer und europäische Pipelines gilt als vergleichsweise sicher gegenüber den maritimen Nadelöhren im Mittleren Osten.
Fokus auf Schwechat und Diesel
Besonderes Augenmerk liegt auf der kritischen Infrastruktur im Inland. Der Flughafen Wien-Schwechat wird zu über 90 Prozent direkt über eine Leitung aus der heimischen Raffinerie versorgt. Auch bei Diesel, der primär in Österreich und Deutschland für den heimischen Markt raffiniert wird, ist die Struktur robust. Da die Rohölzufuhr über etablierte Landwege und Pipelines gesichert ist, droht hier kein unmittelbarer Abriss der Lieferkette.
Prognosen der EU-Kommission
Trotz der guten Ausgangslage bleibt ein Restrisiko für den gesamten Kontinent. Sollte die Straße von Hormus längerfristig gesperrt bleiben, rechnet die EU-Kommission ab Mai mit einem Rückgang von fünf Prozent bei Diesel und 15 Prozent bei Kerosin in Europa. Dies würde zwar keine leeren Tankstellen bedeuten, aber den Preisdruck massiv erhöhen. Österreich beobachtet diese Szenarien laufend, um bei Bedarf schnell fiskalisch oder strategisch gegenzusteuern.
Österreich blickt dank einer klugen Importstrategie und hoher Reserven gelassener auf den drohenden Angebotsrückgang als andere EU-Staaten. Während Preissteigerungen aufgrund des globalen Marktes kaum vermeidbar sein werden, bleibt die physische Verfügbarkeit von Treibstoffen durch die starke Anbindung an kasachisches Öl und die heimische Raffineriekapazität vorerst gesichert.
Quelle „heute.at“
Österreich bewegt sich sicher durch die Krise.