Die globale Energieversorgung hängt am seidenen Faden. Inmitten massiver Spannungen mit den USA hat der Iran am Dienstag angekündigt, die strategisch bedeutende Straße von Hormus im Rahmen eines Militärmanövers teilweise zu sperren. Da knapp ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls diese Passage durchquert, drohen die Energiemärkte in massive Turbulenzen zu geraten.
Strategisches Manöver mit Sprengkraft
Das iranische Staatsfernsehen rechtfertigte die Teil-Sperrung offiziell mit Sicherheitsgründen. Das Manöver der iranischen Revolutionsgarden, das bereits am Montag seinen Anfang nahm, dient laut Teheran der Vorbereitung auf potenzielle militärische Bedrohungen. Die Dauer der Übung blieb unklar, doch die Botschaft ist eindeutig: Der Iran demonstriert Handlungsfähigkeit an der wichtigsten Schlagader des globalen Ölhandels.
Das Nadelöhr der Weltwirtschaft
Die Straße von Hormus ist lediglich 50 Kilometer breit und verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Täglich passieren rund 20 Millionen Barrel Rohöl sowie enorme Mengen an verflüssigtem Erdgas (LNG) dieses Nadelöhr. Eine vollständige Blockade käme einem wirtschaftlichen Erdbeben gleich. Während Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zumindest begrenzte Mengen über Pipelines umleiten könnten, säßen Katar, Kuwait und der Irak bei einer Sperrung faktisch in der Falle.
Eskalation vor dem Hintergrund in Genf
Die Ankündigung erfolgt zu einem politisch höchst sensiblen Zeitpunkt. In Genf wurden zeitgleich die indirekten Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA zum Atomstreit fortgesetzt. Unter Vermittlung des Oman versuchen beide Seiten seit dem 6. Februar, eine diplomatische Lösung zu finden. Die Teil-Sperrung wird von Experten als gefährliches Druckmittel gewertet, um die Position Washingtons zu schwächen, ohne sofort einen offenen Krieg zu provozieren.
Drohgebärden zwischen Teheran und Washington
Die militärische Präsenz der USA in der Region ist massiv. US-Präsident Donald Trump hat bereits einen zweiten Flugzeugträger sowie zusätzliche Flugzeug-Geschwader entsandt, um den Druck auf das Mullah-Regime zu maximieren. Er droht offen mit einem Militäreinsatz, sollte keine Einigung erzielt werden. Irans geistliches Oberhaupt, Ayatollah Ali Chamenei, reagierte gewohnt provokant und warnte, dass man über die Mittel verfüge, selbst modernste Kriegsschiffe zu versenken.
Die teilweise Schließung der Straße von Hormus ist ein Spiel mit dem Feuer. Während der Iran die Meerenge als Faustpfand in den Atomverhandlungen nutzt, wächst weltweit die Sorge vor explodierenden Energiepreisen. Sollte die Situation eskalieren, stünde nicht nur die Stabilität des Nahen Ostens, sondern die gesamte Weltwirtschaft vor einer Zerreißprobe.
Quelle „heute.at“
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