Früh zu essen gilt in unserer Gesellschaft oft als seniorig oder schlichtweg uncool. Die hippen Leute tauchen gefühlt erst dann im Lokal auf, wenn die Küche eigentlich schon wieder ans Zusperren denkt. Unsere Autorin pfeift auf diese ungeschriebenen Gesetze und schwört felsenfest auf ihren ganz persönlichen Oma-Rhythmus.
Das Geständnis der Hollywood-Stars
Ein Hoch auf Gwyneth Paltrow. In Amy Poehlers Podcast „Good Hang“ hat sich die bekannte Schauspielerin offen dazu bekannt, dass sie unglaublich gerne schon um 18 Uhr zu Abend isst. „Ich reserviere in der Regel für sechs Uhr“, verriet Gastgeberin Amy Poehler damals im Flüsterton. „Ich auch“, flüsterte Gwyneth Paltrow verschwörerisch zurück. Poehler setzte noch einen drauf: „Ich liebe es, die erste im Restaurant zu sein.“ Paltrow toppte das Ganze mit den Worten: „Gestern habe ich sogar 17:45 Uhr geschafft.“ Geht es nach unserer Autorin, hätten die beiden Damen den Flüsterton ruhig weglassen können. 18 Uhr findet sie nämlich fast schon wieder ein bisschen spät. Wenn sie die Wahl hat, reserviert sie am liebsten direkt für 17 Uhr.
Der Mythos vom faden Seniorenheim-Essen
Laut dem aktuellen gesellschaftlichen Konsens gilt es keineswegs als besonders cool oder normal, extrem früh auszugehen. Um 17 Uhr ist in den meisten Lokalen absolut tote Hose. Viele Restaurants haben zu dieser Zeit noch nicht einmal ihre Pforten geöffnet. Wer heute etwas auf sich hält, begibt sich frühestens ab 19 Uhr oder noch später zu Tisch. Je später der Abend, umso wichtiger scheinen die Gäste zu sein. Im Bekanntenkreis der Autorin fielen schon oft Sätze wie: „Um 17 Uhr isst man höchstens im Seniorenheim oder im Spital.“
Das erklärt vielleicht auch das kollektive Flüstern bei diesem Thema. Wir verbinden sehr frühe Essenszeiten automatisch mit Menschengruppen, von denen das Klischee behauptet, sie hätten den ganzen Tag nichts zu tun. Wer hingegen voll im Leben steht, Karriere macht und Kinder versorgt, kommt eben vermeintlich erst um 20 Uhr dazu, überhaupt ans Essen zu denken. Man kann das so sehen. Man kann es aber auch komplett anders betrachten.
Volle Kontrolle über den eigenen Tag
Die Autorin möchte am liebsten nie so viel Stress auf dem Zettel haben, dass ein Restaurantbesuch erst um 20 Uhr möglich wird. Unter der Woche liegt ihre ideale Schlafenszeit zwischen 21 und 22 Uhr, da der Wecker morgens bereits um 6 Uhr klingelt. Um zu dieser Zeit gut schlafen zu können, sollte die letzte Mahlzeit laut Experten und persönlicher Erfahrung zwischen 17 und 18 Uhr liegen. Wenn sie also um 17 Uhr entspannt im Restaurant sitzt, bedeutet das im Klartext: Bei ihr läuft es im Leben richtig gut. Es ist das Zeichen für einen stressfreien Tag und eine erholsame Nacht.
Der Widerspruch der Leistungsgesellschaft
Es herrscht hier ein massiver gesellschaftlicher Widerspruch. Wer morgens lange schläft, gilt schnell als faul. Nachteulen werden oft stigmatisiert. Frühaufsteher hingegen genießen den Ruf, besonders diszipliniert und ambitioniert zu sein. Doch wie passt das zusammen? Welcher Mensch entspricht diesem Ideal, springt morgens um 6 Uhr voller Energie aus dem Bett, nachdem er bis Mitternacht opulent diniert hat?
Ein frühes Abendessen um 17 Uhr ist kein Zeichen von Langeweile, sondern pure Lebensqualität und gelebte Achtsamkeit. Es sorgt für einen entspannten Tagesausklang und besseren Schlaf. Wer den Mut hat, gegen den Strom der späten Esser zu schwimmen, gewinnt wertvolle Zeit für sich selbst. Am Ende sollte jeder Mensch völlig ohne Scham und ohne Flüstern genau dann essen dürfen, wann es dem eigenen Körper am besten tut.
Izvor „brigitte.de“
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