Die heimische Wirtschaft sendet gemischte Signale. Während das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo für die kommenden Jahre zwar ein leichtes Wachstum prognostiziert, bleibt die Gesamtstimmung im Land spürbar gedämpft.
Die Österreicher spüren die Folgen globaler Krisen direkt im Alltag, vor allem durch eine hartnäckige Inflation und die anhaltende Anspannung auf dem Arbeitsmarkt.
Die Prognose für die kommenden Jahre
Das Wifo blickt verhalten optimistisch in die Zukunft. Für das laufende Jahr 2026 rechnen die Ökonomen mit einem realen Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent. Im Folgejahr 2027 soll die Kurve mit 1,1 Prozent leicht nach oben zeigen. Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr bezeichnete diese Dynamik bei der jüngsten Datenpräsentation als passabel, bremste jedoch allzu große Erwartungen. Die Entwicklung sei alles andere als stürmisch, bewege sich aber immerhin um zwei Zehntelpunkte über dem Durchschnitt des gesamten Euro-Raums. Dennoch mussten wichtige Kernindikatoren wie die Inflation und die Arbeitslosigkeit nach oben korrigiert werden.
Geopolitische Bremsklötze für die Konjunktur
Als Hauptursache für die gebremste Dynamik gilt die anhaltende Irankrise. Besonders die Sperre der Straße von Hormus hat den globalen Handel sowie das allgemeine Investitionsklima massiv belastet. In der Folge trieben die explodierenden Preise für fossile Energieträger die Inflation zwischenzeitlich auf 3,7 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 führte dies in Österreich zu einer Beinahe-Stagnation. Wifo-Experte Stefan Ederer sieht jedoch einen Lichtblick an den Terminmärkten. Sollten die Energiepreise rascher sinken als kalkuliert, könnte dies die wirtschaftliche Erholung erheblich beschleunigen.
Teuerung mindert die Kaufkraft der Bürger
Für das Jahr 2026 wird eine durchschnittliche Inflation von 3,2 Prozent erwartet, die erst 2027 auf 2,4 Prozent absinken soll. Ein wesentlicher Treiber bleibt die Dienstleistungsinflation. Zudem läuft die staatliche Spritpreisbremse mit Ende Juni aus, während zeitverzögert Erhöhungen bei Fernwärme, Gas und Strom ins Haus stehen. Da die Lohnabschlüsse des Vorjahres hinterherhinken, schrumpfen die realen Haushaltseinkommen weiter. Die Österreicher halten ihr Geld zusammen, was wiederum den konsumnahen Dienstleistungssektor und den Handel belastet, der 2026 nur ein minimales Plus von 0,3 Prozent verzeichnen dürfte.
Geteilte Signale vom Arbeitsmarkt und der Industrie
Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Für das heurige Jahr wird mit durchschnittlich 323.000 Arbeitslosen gerechnet, was einer Quote von 7,5 Prozent entspricht. Für 2027 wird ein minimaler Rückgang auf 7,3 Prozent erwartet. Konträr dazu zeigt sich die Industrie überraschend robust. Gabriel Felbermayr betonte, dass der Sektor seit Anfang 2025 wieder wächst. Für 2026 wird ein Wertschöpfungsplus von 1,5 Prozent in der Warenherstellung erwartet. Dennoch droht durch den harten globalen Wettbewerb, insbesondere aus China, ein weiterer Verlust von Industriejobs.
Der Bauwirtschaft droht das achte Krisenjahr
Besonders alarmierend bleibt die Situation im Bausektor, der sich im achten Abschwungjahr in Folge befindet. Im Gebäudesektor decken die Bruttoinvestitionen kaum noch die Abschreibungen. Trotz einer konstant hohen Nachfrage nach Wohnraum stagniert das Angebot. Felbermayr fordert hier dringendes Gegensteuern der Bundesregierung und schlägt drei konkrete Maßnahmen vor: Erstens dürfen Bauinvestitionen bei Budgetkürzungen der Länder und Gemeinden nicht überproportional beschnitten werden. Zweitens warnt das Wifo vor neuen regulatorischen Verschärfungen im gewerblichen Wohnbau. Drittens könnte eine Reform des Mietrechts private Altbausanierungen wieder wirtschaftlich attraktiv machen.
Höhere Staatseinnahmen durch Inflationseffekte
Einen unerwarteten Mitnahmeeffekt gibt es für den Finanzminister. Durch die inflationsbedingt hohe Preisdynamik steigt das nominelle Bruttoinlandsprodukt in den Jahren 2026 und 2027 um jeweils rund 4 Milliarden Euro stärker als angenommen. Dies spült dem Staat geschätzte 2 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen in die Kassen. Das Defizit verbessert sich dadurch leicht auf 4,0 Prozent (2026) bzw. 3,7 Prozent (2027). Gabriel Felbermayr mahnte dennoch zur Budgetdisziplin. Eine langfristige Neuverschuldung in dieser Höhe sei zu hoch, da die Staatsschuldenquote bis 2027 auf fast 84 Prozent klettern wird und der Schuldendienst wichtige Budgetanteile auffrisst.
Kritik an der aktuellen Budgetgestaltung
Das Wifo spart nicht mit Kritik am Doppelbudget der Regierung. Felbermayr bemängelte das Fehlen klarer klimapolitischer Akzente, obwohl sich das Land weiter von seinen Klimazielen entfernt. Ein Abbau umweltschädlicher Subventionen hätte gleichzeitig den Haushalt konsolidieren können. Zudem seien die Arbeitsanreize fehlerhaft gesetzt. Während die allgemeinen Lohnnebenkosten sinken, steigen sie für ältere Arbeitnehmer um fast 6 Prozentpunkte. Genau in dieser Altersgruppe verzeichnet Österreich derzeit jedoch den stärksten Zuwachs bei der Arbeitslosigkeit.
Österreichs Wirtschaft bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Stabilisierung und Stagnation. Während die Industrie als verlässlicher Motor fungiert und der Staat von nominellen Mehreinnahmen profitiert, belasten die Teuerung und die Krise im Bausektor das Gefüge nachhaltig. Für eine echte Trendwende braucht es spürbare Entlastungen für die Haushalte und gezielte Reformen in der Standortpolitik.
Quelle „heute.at“
Fakten schaffen Vertrauen für Österreichs Zukunft.
