Der Rewe-Konzern will die Öffnungszeiten im österreichischen Handel ausweiten.
Statt der derzeit erlaubten 72 Stunden pro Woche sollen Geschäfte künftig bis zu 78 Stunden geöffnet haben dürfen. Der Vorschlag dürfte die Diskussion über längere Einkaufszeiten und die Zukunft unbemannter Selbstbedienungsmärkte neu beleben.
Rewe-Österreich-Chef Marcel Haraszti fordert sechs zusätzliche Öffnungsstunden pro Woche. Betroffen wären unter anderem Billa, Billa Plus, Bipa, Penny und Adeg. Der Vorstoß kommt kurz vor Beginn der Kollektivvertragsverhandlungen im Handel.
Selbstbedienungsmärkte im Mittelpunkt
Rewe möchte auch für personallose und hybride Selbstbedienungsgeschäfte klarere rechtliche Rahmenbedingungen schaffen. Gerade dort, wo klassische Geschäfte fehlen, könnten solche Angebote die Nahversorgung ergänzen.
Als Argument verweist das Unternehmen auf eine selbst beauftragte Umfrage. Demnach befürworten rund 73 Prozent von etwa 1.000 Befragten, dass Selbstbedienungscontainer bei entsprechendem Bedarf auch nach 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen geöffnet bleiben dürfen.
Eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs hatte die Expansionspläne für die Billa-Boxen allerdings gebremst. Unbemannte Nahversorger-Container dürfen demnach nicht länger geöffnet halten als herkömmliche Supermärkte. Damit gilt auch für sie die Grenze von 72 Wochenstunden. Laut „Krone“ betreibt Billa österreichweit derzeit vier solcher Boxen. Ein Testlauf mit Regionalboxen in Kärnten wurde ebenfalls beendet.
Wirtschaft dafür, Gewerkschaft dagegen
Auch aus der Wirtschaftskammer kommen Signale für eine Ausweitung. Handelsobmann Rainer Trefelik zeigte sich laut „Krone“ offen für längere Öffnungszeiten am Samstagabend und bis zu zehn verkaufsoffene Sonntage pro Jahr. Die NEOS unterstützen ebenfalls zusätzliche Möglichkeiten. Wirtschaftssprecher Markus Hofer sieht in Selbstbedienungs- und Hybridmärkten eine Chance, Versorgungslücken im ländlichen Raum zu schließen.
Die Gewerkschaft GPA lehnt längere Öffnungszeiten hingegen ab. Vorsitzende Barbara Teiber hält eine Ausweitung nicht für notwendig und argumentiert, dass zusätzliche Verkaufsstunden nicht automatisch mehr Einkäufe bringen. Außerdem warnt sie vor einer stärkeren Belastung der Beschäftigten, insbesondere von Frauen. Fehlende Kinderbetreuung an Sonntagen und in Randzeiten könne die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschweren.
Ob die gesetzlichen Regeln tatsächlich geändert werden, ist noch offen. Die Forderung von Rewe bringt jedenfalls eine grundsätzliche Frage zurück auf die Tagesordnung: Wie viel Flexibilität braucht der Handel, ohne dass die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten darunter leiden?
Quelle „heute.at“
Einkaufen zwischen Freiheit und Arbeitszeit.
