Die eigenen vier Wände werden für immer mehr Menschen in Österreich zur finanziellen Zerreißprobe. Eine aktuelle Analyse der Statistik Austria zeigt eine dramatische Entwicklung:
Innerhalb der letzten zehn Jahre sind die Wohnkosten im bundesweiten Durchschnitt um 35 Prozent in die Höhe geschossen. Besonders hart trifft es jene, die auf eine Mietwohnung angewiesen sind. Hier nähert sich das Plus der 40-Prozent-Marke.
Manuela Lenk, die fachstatistische Generaldirektorin der Statistik Austria, legte die Zahlen im Rahmen einer Präsentation in Wien offen und verdeutlichte das Ausmaß der Teuerung. Während Eigentümer vergleichsweise glimpflich davonkommen, brennt es im Mietsektor lichterloh.
Die Kluft zwischen Eigentum und Miete
Die Detailergebnisse der Studie „Wohnen 2025“ offenbaren eine deutliche Schere zwischen den verschiedenen Wohnformen. Wer ein Haus sein Eigen nennt, spürte in den vergangenen zehn Jahren eine moderate Steigerung von 19,1 Prozent. Bei Eigentumswohnungen lag der Zuwachs bereits bei 32,8 Prozent.
Die wahre Preisexplosion findet jedoch auf dem Mietmarkt statt. Gemeindewohnungen verzeichneten ein Plus von 40,8 Prozent, gefolgt von Genossenschaftswohnungen mit 40,4 Prozent. Die private Hauptmiete zog im gleichen Zeitraum um 38,7 Prozent an. Knapp die Hälfte der österreichischen Haushalte (47,3 Prozent) lebte im Erhebungszeitraum im Eigentum, während 43,1 Prozent zur Hauptmiete wohnten – vorzugsweise in privaten Mietverhältnissen.
Verträge als Preistreiber
Ein wesentlicher Faktor für die finanzielle Belastung ist die Ausgestaltung der Mietverträge. Mittlerweile ist jede zweite private Hauptmiete befristet, wobei die durchschnittliche Vertragsdauer bei sieben Jahren liegt. Zum Vergleich: Bei Genossenschafts- und Gemeindewohnungen sind Befristungen mit unter fünf Prozent eine seltene Ausnahme, zudem sind die Laufzeiten dort mit über zwölf beziehungsweise 16 Jahren deutlich länger.
Besonders drastisch zeigt sich die Teuerung bei Neuverträgen. Wer eine neue Wohnung bezieht, zahlt im Schnitt inklusive Betriebskosten 10,2 Euro pro Quadratmeter. Bei extrem kurzen Vertragslaufzeiten von unter zwei Jahren klettert dieser Wert sogar auf 12,4 Euro. Demgegenüber stehen alte, seit über 30 Jahren bestehende Mietverträge, die im Durchschnitt noch bei extrem günstigen 6,5 Euro pro Quadratmeter liegen.
Belastungsgrenzen im Alltag
Obwohl der durchschnittliche Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Haushaltseinkommen im Gesamtschnitt über die Jahre hinweg relativ stabil bei rund 15 Prozent blieb, täuscht dieser Mittelwert über die reale Belastung hinweg. Es zeigt sich eine massive Diskrepanz je nach Wohnform: Hauseigentümer wenden lediglich 9 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen auf, Bewohner von Eigentumswohnungen 12 Prozent.
Bei den Mietern hingegen schlagen die Kosten brutal zu Buche. Wer in einer Gemeindewohnung lebt, muss im Schnitt 21 Prozent des Budgets reservieren, bei Genossenschaften sind es 23 Prozent und in privaten Hauptmieten sogar 26 Prozent.
Ein-Eltern-Haushalte im Visier
Besonders prekär ist die Lage für Alleinerziehende und alleinlebende Frauen. Ein-Eltern-Haushalte müssen im Schnitt 29 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben, Single-Frauen folgen dicht dahinter mit 28 Prozent. Männliche Singles liegen bei 26 Prozent, während Mehrpersonenhaushalte mit Kindern durchschnittlich nur 15 Prozent ihres Budgets aufwenden müssen.
Diese Zahlen spiegeln sich auch im subjektiven Empfinden wider. Mehr als die Hälfte der Ein-Eltern-Haushalte gab an, sich durch die Wohnkosten stark belastet zu fühlen. Ein Grund für die Verschärfung der Situation ist auch, dass Mütter mit Kindern statistisch gesehen deutlich häufiger zur Miete wohnen (54 Prozent) als Väter in derselben Lebenssituation (38,6 Prozent).
Benachteiligung bei Behinderung
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie betrifft Menschen mit Behinderungen. Diese Gruppe ist von den steigenden Kosten überproportional stark betroffen. Während ein Viertel der Menschen ohne Einschränkungen die Wohnkosten als starke Belastung empfindet, liegt dieser Anteil bei Menschen mit Behinderungen bei besorgniserregenden 35,1 Prozent.
Die Daten der Statistik Austria unter der Leitung von Manuela Lenk zeigen unmissverständlich, dass leistbarer Wohnraum in Österreich zunehmend Mangelware wird. Die Schere zwischen Eigentümern und Mietern geht immer weiter auseinander. Vor allem vulnerable Gruppen wie Alleinerziehende und Menschen mit Behinderungen stehen vor einer fast unlösbaren finanziellen Aufgabe. Wenn der Staat hier nicht durch gezielten Wohnbau und Marktregulierung gegensteuert, droht das Grundbedürfnis Wohnen für breite Schichten der Bevölkerung unbezahlbar zu werden.
Österreich blickt auf die Zahlen und die Politik ist gefordert, denn Wohnen darf kein Luxusgut werden.
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