Vom Verschwinden zur Gewissheit: Die Hartnäckigkeit einer Mutter

Wien/Niederösterreich – Fast acht Jahre lang suchte Brigitta Scharinger nach ihrer Tochter, der 21-jährigen Jus-Studentin Jennifer S. aus Wien. Seit dem Jänner 2018 fehlte von ihr jede Spur. Die Mutter glaubte von Anfang an nicht an ein freiwilliges Untertauchen, sondern an ein Verbrechen. Ihr unermüdlicher Kampf für die Wahrheit führte nun zum Mordgeständnis des Ex-Freundes, Clemens T.

Der letzte Abend: Streit, Trennungsabsichten und ein Selfie

Am 21. Jänner 2018 traf sich Jenni in den Wiener Gürtelbögen mit einer Freundin. Laut Berichten der „Kronen Zeitung“ war die Stimmung der jungen Frau angespannt. Sie sprach über massive Probleme in ihrer Beziehung mit dem Gärtner Clemens T. Die Beziehung war von starker Kontrolle, Jähzorn und Unberechenbarkeit geprägt. Jenni fasste an diesem Abend den Entschluss: „Ich werde mich von ihm trennen.“

Nach Mitternacht wurde sie von Clemens T. in seinem gelben Toyota bei einer U-Bahnstation abgeholt. Das letzte Lebenszeichen: Ein gemeinsames Selfie in der Garage. Danach verliert sich Jennis Spur für fast acht Jahre.

Verdachtsmomente und dubiose Recherchen

Die Ermittlungen konzentrierten sich schnell auf den damals 24-jährigen Freund. Analysen seiner digitalen Spuren zeigten Erschreckendes: Clemens T. hatte eine Spy-Kamera im Schlafzimmer seiner Freundin installiert und wiederholt nach der Wirkung von K.-o.-Tropfen und Sedativa gesucht. Zudem konnte festgestellt werden, dass er kurz nach dem Verschwinden in abgelegenen Gebieten Niederösterreichs unterwegs war.

Leugnen und die „Keine Leiche, keine Anklage“-Hürde

In den Vernehmungen verstrickte sich der Verdächtige in Widersprüche. Er behauptete, Jenni habe nach einem „fürchterlichen Streit“ die Wohnung verlassen, womöglich sei sie ins Ausland gegangen. Seine Fahrten erklärte er mit dem Bedürfnis nach „absoluter Ruhe“. Die intensiven Suchen blieben ohne Erfolg. Die Staatsanwaltschaft musste die Ermittlungen einstellen: „Keine Leiche, keine Anklage.“ Clemens T. blieb auf freiem Fuß.

Unbeirrbarer Kampf: Die privaten Ermittlungen

Für Jennis Mutter war dieser Zustand unerträglich. Brigitta Scharinger startete ihre eigenen, privaten Ermittlungen. Sie organisierte Grabungen in Wäldern, ließ den Ex-Freund beschatten und sammelte unermüdlich Informationen. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Anwalt Andreas Schweitzer, dem Präsidenten des Österreichischen Detektivverbands. Aus dem Umfeld von Clemens T. kamen erschütternde Berichte über seine Freude daran, Partnerinnen seelisch und körperlich zu quälen.

Die Wende: Das Fake-Profil „Viviane“

Anfang 2025 gelang der Durchbruch dank einer kreativen Idee: Ein Bekannter der Mutter nahm laut „Krone“ über eine Dating-Plattform Kontakt mit Clemens T. auf – unter dem Fake-Profil „Viviane“. Der Mann tappte in die Falle. In Chats und Sprachnachrichten öffnete er sich zunehmend und erklärte sogar, wie ein perfekter Mord begangen werden könne.

Diese Protokolle wurden im März der Kriminalpolizei übergeben. Eine verdeckte Fahnderin übernahm den Kontakt. Trotz Ausweichmanövern wuchs der Druck auf den Verdächtigen, der seine Äußerungen mit einem angeblichen Interesse an „True-Crime“-Storys abzutun versuchte. Ab November stand eine Mordanklage im Raum.

Geständnis und Fundort: Truppenübungsplatz Allentsteig

Am vergangenen Wochenende brach der Mann schließlich zusammen. Er stellte sich der Polizei, legte ein Geständnis ab und führte die Beamten zum Truppenübungsplatz Allentsteig. Dort wurden die sterblichen Überreste von Jenni gefunden.

Er gestand, Jenni am 22. Jänner 2018 in ihrer Wohnung „im Zuge eines Gerangels“ erwürgt zu haben, weil „sie wollte die Trennung“. Er habe sie ausgezogen, in eine Holztruhe gelegt und diese zunächst bei Großweikersdorf deponiert, bevor er sie an den abgelegenen Fundort brachte – genau so, wie er es dem Fake-Profil „Viviane“ beschrieben hatte.

Neuer Name, alte Schuld: Clemens T. wird Mairon K.

Der Täter lebte fast acht Jahre mit seiner Tat. In seiner Haftverhandlung sprach der 32-Jährige laut der Tageszeitung von „Stimmen in meinem Kopf“, die ihn während der Tat beeinflusst hätten. Um einen Schlussstrich zu ziehen, änderte er 2024 sogar offiziell seinen Namen: Aus Clemens T. wurde Mairon K. „Ich wollte eine umgekehrte Verwandlung machen. Doch Jennis Mutter sorgte dafür, dass ich ständig an mein früheres Ich denken musste“, wird er zitiert.

Dank des unerschütterlichen Engagements und der privaten Ermittlungen von Brigitta Scharinger wurde der Mordfall an Jennifer S. nach fast acht Jahren aufgeklärt. Die Mutter, inzwischen schwer erkrankt, will die sterblichen Überreste ihrer Tochter einäschern lassen. Die Urne soll im Garten neben einem Rosenstrauch, den Jenni als Kind gepflanzt hatte, ihre letzte Ruhe finden. Eine späte Wahrheit, die einen hohen Preis forderte.

Quelle „heute.at“

AustriaAktuell.at – Wenn Mütter nicht aufgeben.

Von admin

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