Die geplante Erhöhung der Alkoholsteuer ab dem 1. Jänner 2027 sorgt für heftigen Wirbel in der heimischen Wirtschaft.
Während das Finanzministerium mit satten Mehreinnahmen plant, warnt die Lebensmittelindustrie vor einem fiskalischen Rohrkrepierer mit dramatischen Folgen für Handel, Gastronomie und Tourismus.
30 Prozent mehr – ein gewagter Schritt
Das kürzlich im Ministerrat beschlossene Budgetbegleitgesetz sieht eine massive Anhebung der Alkoholsteuer vor. Konkret soll der Steuersatz von aktuell 1.200 Euro auf 1.560 Euro pro 100 Liter reinem Alkohol steigen. Das Finanzministerium geht in seinen Prognosen davon aus, dass diese Maßnahme den Staatshaushalt 2027 um 35 Millionen Euro und ab 2028 sogar um jährlich 45 Millionen Euro entlasten wird.
Fachverband warnt vor Realitätsverlust
Die Lebensmittelindustrie widerspricht diesen optimistischen Zahlen scharf. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, hält die Berechnungen für nicht realistisch. Sie argumentiert, dass die Politik die Dynamik des Marktes unterschätze. Konsumenten würden bei steigenden Preisen entweder auf günstigere Alternativen ausweichen oder verstärkt auf den Einkaufstourismus in Nachbarländer wie Italien oder die Slowakei setzen.
Erfahrungen aus der Vergangenheit
Ein Blick zurück untermauert die Skepsis der Branchenvertreter. Als die Alkoholsteuer im Jahr 2014 um 20 Prozent erhöht wurde, fielen die Mehreinnahmen mit lediglich 10 Millionen Euro pro Jahr weit hinter die Erwartungen zurück. Das Spirituosenvolumen brach damals um rund eine Million Liter ein und benötigte acht Jahre, um sich wieder auf das ursprüngliche Niveau zu erholen. Eine neuerliche Erhöhung um 30 Prozent könnte laut Koßdorff weitaus gravierendere Folgen nach sich ziehen.
Die Gefahr des Domino-Effekts
Der Fachverband weist zudem auf ein grundlegendes Problem in der Argumentation des Ministeriums hin. Die isolierte Betrachtung der Steuereinnahmen sei irreführend. Sinken die Umsätze in Gastronomie und Handel, schrumpfen gleichzeitig die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer. Zudem drohen durch Arbeitsplatzverluste in der Branche Mindereinnahmen bei der Lohnsteuer und den Sozialversicherungsbeiträgen. Gaststätten und touristische Betriebe, für die Spirituosen ein essenzieller Umsatzbringer sind, könnten die Leidtragenden sein.
Prognose schlägt ins Gegenteil um
Die Kalkulation des Fachverbands zeichnet ein düsteres Bild: Statt eines Gewinns von 45 Millionen Euro für den Staat könnte die Maßnahme unter dem Strich ein Minus von bis zu 50 Millionen Euro pro Jahr verursachen. Koßdorff fordert daher eine evidenzbasierte Überprüfung des Vorhabens, bevor die Regelung 2027 in Kraft tritt, und plädiert stattdessen für eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Lebensmittelindustrie.
Fakten zur Branche
Die Lebensmittelindustrie ist mit 27.500 direkt Beschäftigten eine tragende Säule des Wirtschaftsstandorts Österreich. Rund 200 Unternehmen erwirtschaften ein jährliches Produktionsvolumen von etwa 12 Milliarden Euro, wobei 10 Milliarden Euro aus Exporten in mehr als 180 Länder stammen.
Die geplante Steuererhöhung ist ein hochriskantes Manöver. Wenn die fiskalischen Anreize nicht mit dem tatsächlichen Konsumverhalten korrespondieren, droht der Staat am Ende das Gegenteil dessen zu erreichen, was er beabsichtigt. Statt Mehreinnahmen zu generieren, gefährdet der Vorstoß Arbeitsplätze und Wertschöpfung innerhalb Österreichs.
Quelle“heute.at“
Mehr Steuerkraft durch kluge Wirtschaft statt durch Preisschock.
