Stillstand nach fünf Stunden
Die vierte Verhandlungsrunde für die rund 90.000 Beschäftigten im österreichischen IT-Sektor endete am Donnerstagabend ohne Ergebnis. Nach fünf intensiven Stunden am Verhandlungstisch herrscht zwischen der Gewerkschaft GPA und dem Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Funkstille. Die Fronten sind verhärteter denn je, ein Kompromiss scheint in weiter Ferne.
Gewerkschaft warnt vor Wertverlust
Sandra Steiner, die Verhandlungsleiterin der Gewerkschaft GPA, findet deutliche Worte für das Verhalten der Arbeitgeberseite. Laut Steiner gefährde der aktuelle Kurs nicht nur einen fairen Abschluss, sondern das gesamte Selbstverständnis der IT als moderne Zukunftsbranche. Während der Sektor wirtschaftlich stabiler durch die Krise gekommen sei als andere Bereiche, verweigere die Gegenseite eine angemessene Abgeltung der Leistung. Steiner kritisiert, dass die IT-Branche systematisch schlechtgeredet werde, was die Attraktivität für dringend benötigte Fachkräfte massiv untergrabe.
Arbeitgeber fordern Realitätssinn
Auf der Gegenseite zeigt sich Martin Zandonella, Verhandlungsleiter der Arbeitgeber im Fachverband UBIT der WKÖ, verständnislos gegenüber den Forderungen der Arbeitnehmervertreter. Er wirft der GPA vor, die wirtschaftliche Realität zu verkennen und fordert, die rosarote Brille abzunehmen. Die Gewerkschaft beharre stur auf einer Forderung von 4 Prozent mehr Gehalt, was laut Zandonella angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und anderer Branchenabschlüsse unrealistisch sei. Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber sieht lediglich eine Erhöhung der Mindestgehälter um 1,9 Prozent vor, während die IST-Gehaltssumme unangetastet bleiben soll.
Drohende Eskalation im Jänner
Die Konsequenzen aus dem Scheitern der vierten Runde folgen prompt. Für den 8. Jänner 2026 hat die Gewerkschaft bereits eine österreichweite Betriebsrätinnen-Konferenz einberufen. Dort soll über eine Verschärfung der Gangart beraten werden. Die Rede ist von Kampfmaßnahmen, sollte die Blockadehaltung anhalten. Die Beschäftigten, die täglich mit der hohen Teuerung konfrontiert sind, verlangen laut Steiner Sicherheit und Planbarkeit.
Ausblick auf die nächste Runde
Ein fünfter Anlauf zur Einigung ist für den 23. Jänner 2026 angesetzt. Bis dahin bleibt die Situation für die über 90.000 Angestellten der Branche ungewiss. Sollte auch dieser Termin ohne Ergebnis verstreichen, droht der IT-Branche ein unruhiger Start in das neue Jahr, geprägt von gewerkschaftlichen Maßnahmen und einem tiefen Riss zwischen den Sozialpartnern.
Die IT-Verhandlungen stecken in einer tiefen Sackgasse. Während die Gewerkschaft auf die solide wirtschaftliche Basis der Branche und die Teuerung verweist, mahnen die Arbeitgeber zur Sparsamkeit in wirtschaftlich volatilen Zeiten. Der Jänner wird entscheiden, ob die Vernunft siegt oder die Branche in einen Arbeitskampf schlittert.
Quelle „heute.at“
AustriaAktuell – Wir bewegen die Branche.
