Die transatlantischen Handelsbeziehungen steuern auf eine historische Belastungsprobe zu. Nachdem der US-Supreme Court die erratische Zollpolitik von Donald Trump für ungültig erklärt hat, drohen den USA Rückzahlungen in der astronomischen Höhe von 150 Milliarden Euro.

Die Reaktion aus dem Weißen Haus folgte prompt und provokant: Ein neuer Globalzoll von zunächst 10 Prozent, der binnen weniger Stunden auf 15 Prozent hochgeschraubt wurde. Für Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ist damit eine rote Linie überschritten.

Handelsbeziehung auf dem Prüfstand

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer findet deutliche Worte für die aktuelle Lage. Die Ereignisse der letzten Tage seien der finale Beleg dafür, dass die Handelsbeziehung zu den Vereinigten Staaten derzeit als „unsicher“ einzustufen ist. Die Unberechenbarkeit der Washingtoner Zollpolitik zwingt Europa zum Handeln. Hattmannsdorfer unterstützt daher explizit den Plan der EU, die Ratifizierung des aktuellen Handelsabkommens mit den USA vorerst auf Eis zu legen. Ein geeintes und selbstbewusstes Auftreten der europäischen Staatengemeinschaft sei nun die einzige logische Antwort auf den US-Protektionismus.

Exportnation Österreich unter Druck

Die Relevanz dieses Konflikts für den heimischen Markt verdeutlichen die nackten Zahlen des Außenhandels. Im Jahr 2024 exportierte Österreich Waren im Wert von rund 191 Milliarden Euro, während die Importe bei 188 Milliarden Euro lagen. Trotz eines Überschusses von zwei Milliarden Euro bleibt die Verwundbarkeit hoch. Zwar werden zwei Drittel des Handels innerhalb der EU abgewickelt, doch die USA belegen im Exportranking den entscheidenden zweiten Platz. Ein Handelskrieg mit der Supermacht würde die heimische Wirtschaft im Kern treffen.

Neue Märkte als Sicherheitsnetz

Hattmannsdorfer fordert eine rasche Diversifizierung der Handelswege, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Sein Appell richtet sich direkt an die Europäische Kommission: Laufende Verhandlungen mit Südostasien und der Golfregion müssen beschleunigt, bestehende Abkommen mit Indien und dem Mercosur-Raum endlich finalisiert werden. Nur durch eine breitere Aufstellung könne der Wohlstand und die Stabilität der Arbeitsplätze in Österreich langfristig abgesichert werden, so der Minister.

Fokus auf Made in Europe

Ein zentraler Punkt in Hattmannsdorfers Strategie ist die Stärkung der eigenen Industrie. Während China und die USA ihre Schlüsselbranchen massiv subventionieren, müsse auch Europa seine Vergaberechte und das Beihilfenrecht anpassen. Ziel sei es, sicherzustellen, dass heimisches Steuergeld primär die europäische Wertschöpfung fördert, statt internationale Konkurrenz indirekt zu finanzieren. Der Ruf nach mehr Mut zu „Made in Europe“ ist somit auch ein Ruf nach wirtschaftlicher Souveränität.

Der Konflikt mit den USA zwingt Österreich und die EU zu einer strategischen Neuausrichtung. Minister Hattmannsdorfer setzt auf eine Mischung aus diplomatischer Härte, der Erschließung neuer Märkte und einer massiven Stärkung des Standorts Europa, um der Unsicherheit aus Übersee zu trotzen.

Quelle „heute.at“

Österreichs Wirtschaft stärken und Europa neu denken.

Von admin

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