Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) kann vorerst leicht aufatmen, doch die finanzielle Wetterlage bleibt angespannt.
Zwar gelang es der Kasse, das ursprünglich befürchtete Milliardenloch signifikant zu verkleinern, dennoch zeichnen die Verantwortlichen ein vorsichtiges Bild der Zukunft. Steigende Kosten und gesellschaftliche Entwicklungen zwingen die größte Sozialversicherung des Landes weiterhin zu einem harten Sparkurs.
Prognosen deutlich nachgebessert
Die aktuelle Gebarungsprognose der ÖGK sorgt für eine Überraschung in der heimischen Gesundheitspolitik. Während man ursprünglich für das Jahr 2025 von einem massiven Minus in der Höhe von 906 Millionen Euro ausgegangen war, beläuft sich der tatsächliche Abgang nun auf 156,3 Millionen Euro. Auch für die Folgejahre wurde der Rotstift bei den Defiziterwartungen angesetzt. Für 2026 wird aktuell ein Minus von 217,8 Millionen Euro prognostiziert, für 2027 rechnet man mit 398,8 Millionen Euro. Zum Vergleich: Noch im Februar lagen diese Schätzungen bei weit über 400 beziehungsweise fast 700 Millionen Euro.
McDonald sieht erste Erfolge
ÖGK-Obmann Peter McDonald schreibt diese Entwicklung den konsequenten internen Reformen zu. Der Arbeitgebervertreter an der Spitze der Kasse betonte, dass die Zahlen des Jahres 2025 belegen, dass die eingeleiteten Maßnahmen greifen. Ein wesentlicher Hebel war dabei die in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung umgesetzte Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge für Pensionisten. Diese Maßnahme habe geholfen, die Kasse trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und einer alternden Gesellschaft stabilisierend zu unterstützen. Im Vorjahr 2024 lag das Defizit noch bei 551,6 Millionen Euro.
Massive Sparmaßnahmen im Fokus
Hinter der Verkleinerung des Defizits steht ein strenges Sparprogramm, das auch vor der eigenen Belegschaft nicht haltgemacht hat. Laut McDonald wurden bereits 300 Dienstposten gestrichen und die genutzten Verwaltungsflächen um zehn Prozent reduziert. Auch bei den Gehaltsabschlüssen für die Mitarbeiter blieb man laut Kassenführung merklich unter der Inflationsrate. Ziel sei es, die Verwaltungskosten so gering wie möglich zu halten, um den Spielraum für medizinische Leistungen nicht gänzlich zu verlieren.
Verhandlungen bei Medikamenten und Honoraren
Nicht nur intern, sondern auch extern wurde der Druck erhöht. Die ÖGK konnte nach eigenen Angaben höhere Rabatte bei Pharmaunternehmen erzielen und agierte bei Honorarverhandlungen mit der Ärzteschaft äußerst zurückhaltend. Ein weiterer Fokus liegt auf der Effizienzsteigerung bei Leistungen. Ein Beispiel dafür sind die Krankentransporte: Durch die Einführung sozial gestaffelter Eigenbeiträge konnte das Aufkommen bereits um fünf Prozent gesenkt werden. Auch die Frequenz der Medikamentenverschreibungen steht unter genauer Beobachtung.
Österreich als Land der Arztbesuche
Ein strukturelles Problem sieht die ÖGK-Spitze in der hohen Frequenz der Arztkontakte. Mit durchschnittlich 13 Besuchen pro Jahr und Versichertem belegt Österreich einen Spitzenplatz im europäischen Vergleich. Peter McDonald kündigte an, diese Zahlen künftig genauer zu analysieren. In den laufenden Reformgesprächen mit dem Bund, den Ländern und Gemeinden soll erörtert werden, wie das System entlastet werden kann. Ein zentraler Lösungsvorschlag der ÖGK ist dabei der massive Ausbau von Primärversorgungszentren, um den Druck auf Fachärzte und Spitalsambulanzen zu verringern.
Krisenfaktoren belasten die Zukunft
Trotz der verbesserten Zahlen bleibt die ÖGK-Spitze alarmiert. Als größte Risikofaktoren für die kommenden Jahre werden die demografische Entwicklung, die anhaltende Energiekrise sowie geopolitische Spannungen wie der Iran-Krieg genannt. Auch die schwächelnde Konjunktur, die zu hoher Arbeitslosigkeit und einer allgemeinen Konsumzurückhaltung führt, belastet die Einnahmenseite der Gesundheitskasse direkt. Der Appell von McDonald ist klar: Man könne langfristig nicht mehr Geld ausgeben, als eingenommen werde.
Die Österreichische Gesundheitskasse hat durch striktes Management und politische Schützenhilfe eine finanzielle Vollbremsung hingelegt und das Defizit massiv reduziert. Doch der Erfolg ist fragil. Angesichts globaler Krisen und einer alternden Bevölkerung bleibt das Gesundheitssystem eine Baustelle, die nach strukturellen Reformen statt kurzfristiger Sparpakete verlangt. Der Weg über Primärversorgungszentren könnte die nötige Entlastung bringen, sofern die Politik die Umsetzung beschleunigt.
Quelle „heute.at“
Gesundheit braucht Struktur statt Schulden.