Wolfgang Hattmannsdorfer/ © BKA PaulGruber

Massive Teuerung treibt Haushalte in die Enge

Die stark gestiegenen Energiekosten belasten Österreichs Haushalte massiv. Laut aktueller Statistik Austria waren die Stromkosten zuletzt um fast 36 Prozent teurer als im Vorjahr.

Eine EY-Umfrage belegt die drastischen Folgen: Fast jeder zweite Haushalt muss sich einschränken, und knapp jeder fünfte kann die Rechnung nicht fristgerecht begleichen. Die Kosten für Strom und Gas sind für viele Bürger die größte Belastung, was dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik erfordert.

Im Oktober 2025 verteuerte sich Energie insgesamt um 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonderes Gewicht haben die Stromkosten, die im September im Jahresvergleich um 35,9 Prozent in die Höhe schossen.

Bestandteile der explodierenden Rechnung

Die Stromrechnung setzt sich zu etwa je einem Drittel aus dem reinen Strompreis, den Abgaben und der Netzgebühr zusammen. Mit Jahresbeginn 2025 fielen die Strompreisbremse und einige Zuschüsse weg, während gleichzeitig Netzentgelte und Elektrizitätsabgabe erhöht und Erneuerbaren-Beiträge wieder eingeführt wurden. Diese Kombination trieb die Kosten im Jahresvergleich stark nach oben.

Zudem ist der Ausbau der Stromleitungen für die verstärkte Integration erneuerbarer Energien notwendig – und das kostet. Für 2026 ist eine erneute Steigerung der Stromnetzentgelte im Österreich-Schnitt um 1,1 Prozent angekündigt. In einigen Bundesländern, insbesondere im Burgenland und in Niederösterreich, sind die Anstiege deutlich höher. Die Gas-Netzgebühren klettern sogar um durchschnittlich 18 Prozent.

Energieminister: „Hohe Energiekosten gefährden uns alle“

Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) betont die Dringlichkeit: „Hohe Energiekosten gefährden uns alle. Die Industrie und auch jeden einzelnen Haushalt.“ Die Senkung der Kosten und die Entlastung bei den Netzkosten sei die „oberste Aufgabe“. Man arbeite in der Energiepolitik „so hart wie in keinem Bereich derzeit“.

Spezialkonto federt Netzgebühren ab

Als erste Maßnahme konnte die Regierung erwirken, dass die Regulierungsbehörde E-Control dem Netzbetreiber APG die Nutzung eines sogenannten Regulierungskontos gestattet. Mit Versteigerungserlösen in Höhe von kolportierten 125 Millionen Euro können die Stromnetzgebühren im kommenden Jahr auf einen durchschnittlichen Anstieg von „nur“ 1,1 Prozent gedämpft werden. Angesichts der in manchen Bundesländern weit höheren Anstiege erklärte Hattmannsdorfer jedoch, das Ergebnis sei „nicht vollends zufriedenstellen“ und es brauche weitere Schritte.

heute.at

Neue Gesetze sollen Preise dämpfen

Zwei entscheidende Gesetzesentwürfe, das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (EIWG) und das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG), haben die Begutachtungsphase abgeschlossen. Beide sollen die Stromrechnungen der Österreicher spürbar senken. Da sie eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat erfordern, muss die Regierungskoalition entweder die FPÖ oder die Grünen für sich gewinnen.

Sozialtarif und Sommer-Rabatt im Detail

Das EIWG enthält unter anderem einen Sozialtarif für rund 230.000 Haushalte, die Mindestsicherung oder eine Pension mit Ausgleichszulage beziehen. Dieser vergünstigte Tarif soll pro Kilowattstunde 6 Cent statt 15,5 Cent betragen und den betroffenen Haushalten jährlich 275 Euro ersparen.

Eine weitere Neuerung ist der geplante Sommer-Rabatt bei der Stromnetzgebühr ab 2026. Stromverbrauch soll in den Monaten April bis September zwischen 10 und 16 Uhr – wenn besonders viel Solarenergie produziert wird – günstiger werden. Dies soll Anreize für einen flexiblen Verbrauch schaffen und die Stromnetze entlasten.

Minister-Appell: „Anbieterwechsel ist der schnellste Weg“

Wolfgang Hattmannsdorfer rät allen Verbrauchern dringend zum Anbieterwechsel, da hier jährlich rund 210 Euro bei Strom gespart werden könnten. „Die schnellste Möglichkeit, die eigene Stromrechnung zu senken, ist der Anbieterwechsel“, so der Minister.

Das neue EIWG stärkt den Wettbewerb: Künftig müssen Energieunternehmen auf der Rechnung verpflichtend auf den Tarifkalkulator der E-Control hinweisen.

Kurskorrektur: Sicher, Sauber, Leistbar

Hattmannsdorfer sieht Österreich insgesamt auf dem Weg einer „Kurskorrektur in der Energiepolitik“. Gegenüber „Heute“ stellte er klar: „Es geht nicht mehr um Klimaschutz um jeden Strompreis. Wir brauchen Energie, die sicher, sauber und leistbar ist.“

Das klare Bekenntnis zum Ausbau erneuerbarer Energie bleibe, da „mehr Angebot am Ende auch günstigere Preise schafft“. Das EABG soll diesen Ausbau durch die Vereinheitlichung von Verfahren und Bündelung von Zuständigkeiten deutlich beschleunigen. Bei kleinen Windparks könne so ein Jahr, bei Stromleitungen bis zu drei Jahre Zeit gewonnen werden.

Die Regierung reagiert auf die massiven Strompreissteigerungen mit einem Bündel an Maßnahmen, das von der Abfederung der Netzgebühren durch ein Spezialkonto über gezielte Sozialtarife und Verbrauchsanreize bis hin zur Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien reicht. Die neuen Gesetze, insbesondere das EIWG und das EABG, müssen nun zügig die nötige Mehrheit im Parlament finden, um die angestrebte Entlastung für die Haushalte und die Wirtschaft so schnell wie möglich zu realisieren.

Quelle“heute.at“

Österreichs Zukunft: Energie, die sich jeder leisten kann.

Von admin

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