Österreich verzeichnet im europäischen Vergleich eine hohe Anzahl an gesetzlichen freien Tagen.
Angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen und internationaler Konkurrenz fordert Kari Ochsner, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich, nun deutliche Reformen bei den Arbeitszeiten. Nach seinen Vorstellungen sollen unter anderem Feiertage gestrichen werden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts nachhaltig zu sichern.
Streit um Arbeitszeit und Feiertage
Mit insgesamt 13 gesetzlichen Feiertagen belegt Österreich im europaweiten Vergleich einen der vorderen Plätze. Zum Vergleich: Während Spanien und Portugal auf 14 Feiertage kommen, stehen in Deutschland bundesweit lediglich neun auf dem Kalender. Für IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner stellt diese Differenz eine spürbare Belastung für die heimische Wirtschaft dar. Da Österreich als exportorientierte Nation auf internationale Marktanteile angewiesen ist, fordert er Anpassungen bei der jährlichen Arbeitsleistung. Neben der Reduzierung von Feiertagen bringt Ochsner erneut eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 41 Stunden ins Spiel. Ergänzend verweist er auf weitere strukturelle Belastungsfaktoren wie hohe Lohnnebenkosten, steigende Energiepreise und ausufernde Bürokratie.
Umfassende Reformen im Sozial- und Gesundheitssystem
Über die Anpassung der Arbeitszeiten hinaus sieht der Industrievertreter dringenden Handlungsbedarf im Pensions-, Sozial- und Gesundheitssystem. Angesichts einer steigenden Lebenserwartung spricht sich Kari Ochsner für eine Verlängerung der Erwerbstätigkeit aus. Während die Unterstützung für tatsächlich Hilfsbedürftige erhalten bleiben soll, plädiert er bei Arbeitsunwilligen für Kürzungen der Sozialleistungen. Zur Entlastung der Spitäler schlägt Ochsner zudem einen Selbstbehalt von 25 Euro für Notfallaufnahmen bei geringfügigen Beschwerden vor, wobei finanziell schwächere Personengruppen von dieser Regelung ausgenommen werden sollen. Die aktuelle Bundesregierung sieht er zwar als alternativlos an, vermisst jedoch bisher konsequente Reformschritte.
Vorstoß zur Sonntagsöffnung in Wien
Parallel zur Debatte über die Feiertagsregelung kommt ein weiterer Wirtschaftsvorstoß aus der Bundeshauptstadt. Margarete Kriz-Zwittkovits, die neue Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, setzt sich für die Einführung von Sonntagsöffnungen in ausgewählten Tourismuszonen ein. Als potenzielles Einsatzgebiet wird insbesondere der 1. Wiener Gemeindebezirk diskutiert, wobei sich die Ausweisung von Zonen an Touristenströmen und Sehenswürdigkeiten orientieren soll. Die Kritik der Gewerkschaft weist Kriz-Zwittkovits zurück und verweist darauf, dass bereits funktionierende gesetzliche Regelungen für Sonntagsarbeit existieren.
Die aktuellen Vorstöße aus der Industrie und der Wirtschaftskammer unterstreichen den wachsenden Reformdruck auf den österreichischen Wirtschaftsstandort. Ob die Streichung von Feiertagen, die Verlängerung der Wochenarbeitszeit oder die Sonntagsöffnung in Tourismuszonen tatsächlich umgesetzt werden, hängt vom politischen Gestaltungswillen und dem weiteren Dialog mit den Arbeitnehmervertretern ab.
Izvor „heute.at“
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