Die österreichischen Krankenversicherungsträger zeichnen für das Jahr 2026 ein besseres finanzielles Bild als noch vor wenigen Monaten.
Statt der ursprünglich veranschlagten 204,8 Millionen Euro wird für das laufende Prognosejahr nun ein Defizit von 111,2 Millionen Euro erwartet. Trotz dieser vorübergehenden Konsolidierung bleiben die mittelfristigen Aussichten für das heimische Gesundheitssystem angespannt, da bis 2030 erneut hohe Verluste drohen.
Entlastung im Jahr 2026
Noch vor rund eineinhalb Jahren gingen Experten für 2026 von einem Fehlbetrag von über einer Milliarde Euro aus. Dachverbands-Chef Peter McDonald bewertet die aktuelle Entwicklung daher als wichtigen Zwischenerfolg. Die Verringerung der Verluste beruht im Wesentlichen auf internen Spar- und Konsolidierungsmaßnahmen.
Lage der Träger
Die Bilanz der einzelnen Versicherungsträger fällt unterschiedlich aus: Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) korrigierte ihre Defizitprognose für 2026 von zuvor 217,8 Millionen Euro auf nun 151,5 Millionen Euro. Bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) verringert sich das erwartete Minus von 102,7 Millionen Euro auf 65,1 Millionen Euro. Als einziger Träger erwartet die Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS) ein positives Ergebnis, wobei der geschätzte Gewinn von 115,6 Millionen Euro auf 105,4 Millionen Euro angepasst wurde.
Maßnahmen zur Einsparung
Nach Angaben von Peter McDonald sind die verbesserten Zahlen das Resultat konsequenter Sparpolitik. Dazu zählen Gehaltsabschlüsse unterhalb der Inflationsrate, der Abbau von 300 Dienstposten bei der ÖGK sowie die Reduzierung von Verwaltungsflächen. Zudem wurden strengere Bestimmungen bei Krankentransporten umgesetzt, Selbstbehalte eingeführt und günstigere Abkommen mit Vertragspartnern geschlossen. Auf der Einnahmenseite führt die Anhebung des Krankenversicherungsbeitrags für Pensionisten um 0,9 Prozentpunkte zu zusätzlichen Mitteln.
Prognose bis 2030
Für die kommenden Jahre wird trotz der aktuellen Einsparungen wieder mit steigenden Fehlbeträgen gerechnet. Die Gesamtsumme der Defizite über alle drei Träger hinweg soll 2027 bei 188,2 Millionen Euro und 2028 bei 406 Millionen Euro liegen. Für das Jahr 2029 wird ein Minus von 681,5 Millionen Euro prognostiziert, während für 2030 ein Abgang von 855,8 Millionen Euro erwartet wird. Ursprünglich war für 2030 mit mehr als 1,1 Milliarden Euro Verlust gerechnet worden.
Reformen im Gespräch
Sowohl Peter McDonald als auch ÖGK-Obmann Andreas Huss verweisen auf die Notwendigkeit weiterer Schritte. Während McDonald die Bedeutung einer ausgeglichenen Gebarung angesichts einer alternden Gesellschaft und des medizinischen Fortschritts betont, hebt Huss hervor, dass geplante Leistungsausweitungen in den aktuellen Zahlen noch nicht berücksichtigt sind. Im Rahmen der laufenden Gesundheitsreform stehen Anpassungen bei der Patientenlenkung, der Frequenz von Arztbesuchen und Versorgungsstrukturen im Mittelpunkt.
Die österreichischen Krankenkassen haben ihr prognostiziertes Defizit für 2026 durch Sparmaßnahmen und Beitragserhöhungen spürbar gesenkt. Dennoch zeigen die Prognosen bis 2030, dass ohne nachhaltige Strukturreformen und zusätzliche Mittel im Gesundheitssystem weiterhin hohe Finanzlöcher bestehen bleiben.
Izvor „heute.at“
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